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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

2.

Wenn er nun nicht Sohn ist, so soll er auch ein Geschöpf genannt werden, und alles, was von den Geschöpfen gilt, soll auch ihm nachgesagt werden, und er soll nicht einziger Sohn heißen, nicht Wort, nicht Weisheit, Gott selbst soll nicht Vater heißen, sondern nur Schöpfer und Bildner seiner Kreatur. Und die Schöpfung soll nicht ein Bild und Ausdruck seines schöpferischen Willens sein, und er sei nach ihrer Ansicht nicht zeugungsfähiger Natur, so daß es von seiner eigenen Substanz kein Wort, keine Weisheit und überhaupt auch kein Bild gibt. Denn wenn es keinen Sohn gibt, gibt es auch kein Bild. Wenn es aber keinen Sohn gibt, wie wollt ihr dann behaupten, daß Gott ein Schöpfer sei, wenn doch durch das Wort und in der Weisheit alles Werdende entsteht, und außer dem nichts entstehen kann, er aber nach eurer Ansicht niemand hat, in dem und durch den er alles macht? Wenn aber die göttliche Substanz selbst nicht fruchtbar ist, sondern nach ihrer Ansicht unfruchtbar wie ein Licht, das nicht leuchtet, und eine trockene Quelle, warum schämen sie sich nicht zu behaupten, ihm komme eine schöpferische Energie zu? Wenn sie aber das Naturhafte aufheben, warum erröten sie nicht, wenn sie der Willensäußerung den Vorrang geben wollen? Wenn er aber das außen Liegende und zuvor Nichtbestehende, dessen Existenz er aber will, ins Dasein setzt und dessen Schöpfer wird, so ist er wohl viel früher Vater einer Zeugung aus seiner eigenen Substanz. Denn wenn sie bezüglich des Nichtbestehenden Gott das Wollen zuerkennen, warum erkennen sie dann Gott das nicht zu, was höher steht als [S. 121] der Wille? Höher aber als der Wille steht, daß er von Natur Vater des eigenen Wortes ist. Wenn nun das erstere, das Naturhafte, nach ihrer unverständigen Meinung nicht existierte, wie kann denn das zweite eintreten, was dem Willen zukommt? Zuerst ist doch das Wort, und erst später das Geschöpf. Doch es existiert das Wort, mögen auch die Gottlosen sich noch mehr erlauben, und durch dasselbe ist die Schöpfung entstanden, und offenbar hat wohl Gott, wenn er Schöpfer ist, auch das schöpferische Wort nicht von außen, sondern als sein eigen. Man muß nämlich wieder dasselbe sagen. Wenn er das Wollen hat, und sein Wille wirksam ist, und wenn sein Wille genügt, die werdende Dinge ins Dasein zu rufen, sein Wort aber wirksam und schöpferisch ist, so ist es zweifellos der lebendige Ratschluß des Vaters und die wesenhafte Energie und wahres Wort, in dem alles sich gebildet hat und trefflich geleitet wird. Und es wird auch niemand bezweifeln, daß der Ordner vor der Ordnung und vor dem Geordneten da ist. Ebenso liegt, wie ich bereits sagte, bei Gott das Schaffen später als das Erzeugen. Denn Sohn ist, was eigentlich und wahrhaft aus jener seligen und immerwährenden Substanz stammt. Was aber von ihrem Willen kommt, entsteht und bildet sich von außen und wird durch die eigene und aus ihr stammende Zeugung geschaffen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger