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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

54.

Es steht also geschrieben: "Er ist um soviel vorzüglicher geworden als die Engel"1. Denn diese Stelle muß man zunächst untersuchen. Man muß aber auch hier wie bei der ganzen göttlichen Schrift überhaupt so vorgehen, daß man sorgfältig auf die Zeit Rücksicht nimmt, zu der der Apostel sprach, sowie auf die Person und die Sache, um derentwillen er sprach, damit nicht der Leser, indem er hierin oder auch nur in einem dieser Punkte in Unkenntnis bleibt, vom Sinne abkommt. Denn dessen war sich auch jener wißbegierige Eunuch bewußt. Deshalb machte er sich an Philippus mit der Bitte: "Ich bitte dich, vom wem sagt dies der Prophet, von sich oder von einem andern?"2. Denn er befürchtete, wenn er die Schriftstelle nicht auf die richtige Person beziehe, den richtigen Sinn nicht zu treffen. Auch die Jünger wollten den Zeitpunkt der Rede erfahren; deshalb wandten sie sich an den Herrn mit den Worten: "Sag uns, wann dies geschehen wird, und welches das Zeichen Deiner Ankunft sein wird"3. Und als sie vom Erlöser die Endereignisse erfuhren, wollten sie wieder die Zeit erfahren, um selbst nicht irre zu gehen und auch andern Aufschluß geben zu können. Und da sie es erfahren hatten, klärten sie die Thessalonicher auf, die sich in der Gefahr des Irrtums befanden4. Wenn nun einer diese Umstände5 recht kennt, dann gewinnt er auch die richtige und gesunde Einsicht in den Glauben. Faßt man aber etwas davon auf, nicht achtend des einen oder andern Umstands, alsbald fällt man in eine Häresie. So gingen, die Zeit übersehend, irre die Anhänger des Hymenäus und Alexander6, indem sie sagten, daß die Auferstehung schon geschehen sei; der verflossenen Zeit nicht achtend auch die Galater, indem sie [S. 97] jetzt die Beschneidung angenommen haben7. In der Person aber gingen und gehen bis heute fehl die Juden, die meinen, über einen aus ihnen sei gesagt: "Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel nennen, das heißt: Gott mit uns"8, und die glauben, daß die Worte: "Gott wird euch einen Propheten auferwecken"9 von einem der Propheten gesagt seien, oder bezüglich der Worte: "Er wurde wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt"10 nicht von Philippus11 lernen, sondern annehmen, daß sie von Isaias oder sonst von einem der Propheten gelten.

1: Hebr. 1,4.
2: Apg. 8,34.
3: Matth. 24,3.
4: 2 Thess. 2,1-4
5: nämlich den Ort, die Zeit und die Person.
6: 2 Tim. 2,17.18; 1 Tim. 1,20.
7: Gal. 6,12.
8: Is. 7,14 ; Matth. 1,23.
9: Deut. 18,15.
10: Is. 53,7.
11: Athanasius denkt an die Worte des Philippus in Joh. 1,45.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger