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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

47.

Wenn er aber um unsertwillen sich heiligt und dies tut, nachdem er Mensch geworden ist, so galt offenbar auch die Herabkunft des Geistes auf ihn im Jordan uns, weil er unsern Leib trug. Und sie hat nicht zur Besserung des Wortes stattgefunden, sondern wieder zu unserer Heiligung, damit wir an seiner Salbung teilnehmen und auch mit Bezug auf uns gesagt sei: "Wißt ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid, und der Geist Gottes in euch wohnt?"1 Denn da der Herr als Mensch im Jordan abgewaschen wurde, waren wir es, die in ihm und von ihm abgewaschen wurden. Und als er den Geist empfing, waren wir es, die von ihm für dessen Aufnahme empfänglich gemacht wurden. Deshalb ist er auch nicht in gleicher Weise wie Aaron oder David oder alle die andern mit Öl gesalbt worden, sondern in anderer Weise als alle seine Genossen, mit dem Öle der Freude, unter dem er selbst den Geist versteht, wenn er durch den Propheten spricht: "Der Geist des Herrn ist über mir, deshalb weil er mich" salbte"2. Ebenso hat auch der [S. 86] Apostel gesagt: "Wie ihn Gott mit dem Heiligen Geiste gesalbt hat"3. Wann nun ist dies über ihn gesagt worden, wenn nicht damals, als er auch im Fleische erschienen war und im Jordan getauft wurde, und der Geist auf ihn herabgekommen ist? Ja auch der Herr selbst sagt: "Der Geist wird von dem meinigen nehmen"4, und: "Ich sende ihn"5, und zu den Jüngern: "Empfanget den Heiligen Geist"6, und gleichwohl heißt es jetzt von ihm, der als Wort und Abglanz des Vaters ihn andern mitteilt, daß er geheiligt werde, und eben wieder, weil er Mensch geworden ist, und der Leib, der geheiligt wird, ihm angehört. Mit ihm also begannen auch wir die Salbung und das Siegel zu empfangen, wie Johannes sagt: "Auch ihr habt die Salbung vom Heiligen"7, und der Apostel: "Auch ihr seid besiegelt mit dem Hl. Geiste der Verheißung"8. Das also wird um unsertwillen und für uns gesagt. Wie läßt sich nun hieraus ein Fortschritt zum Bessern und ein Lohn für die Tugend oder überhaupt für das Tun und Wirken des Herrn erweisen? Denn wenn er Gott geworden wäre, ohne es zuvor zu sein, wenn er, ohne zuvor König zu sein, zur Herrschaft erst gelangt wäre, so hätte eure Rede doch noch einen Schatten von Glaubwürdigkeit. Wenn er aber Gott ist, und der Thron seiner königlichen Herrschaft ewig ist, wie konnte Gott einen Zuwachs erhalten? Oder was fehlte dem, der auf dem Throne des Vaters saß? Wenn aber, wie auch der Herr selbst gesagt hat, der Geist sein ist, und er vom Seinigen nimmt und er selbst ihn sendet, so ist es ja nicht das Wort, insoweit es Wort und Weisheit ist, das mit dem von ihm gegebenen Geiste gesalbt wird, sondern es ist das von ihm angenommene Fleisch, das in ihm und von ihm gesalbt wird9, damit die Heiligung, die dem Herrn als Menschen zuteil wurde, von ihm allen Menschen mitgeteilt würde. Denn nicht von [S. 87] sich selbst spricht der Geist10, sagt er, sondern das Wort ist es, das ihn den Würdigen erteilt. Der vorhin zitierten Stelle ähnlich ist auch folgende. Wie nämlich der Apostel geschrieben hat: "Welcher, da er in Gottesgestalt war, das Gottgleichsein für keinen Raub erachtete, sondern sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm"11, so preist David den Herrn als ewigen Gott und König, der zu uns gesandt wurde und unsern sterblichen Leib annahm. Von ihm wird dies angedeutet in den Psalmworten: "Myrrhe und Myrrhenöl und Kasia sind in Deinen Kleidern"12, durch Nikodemus und die Begleiterinnen Marias offenkundig, wenn der erstere eine Mischung von Myrrhe und Aloe gegen hundert Pfund brachte13, die letzteren aber Wohlgerüche zum Begräbnis des Leibes des Herrn bereitet hatten14.

1: 1 Kor. 8,16.
2: Is. 61,1.
3: Apg. 10,33.
4: Joh. 16,14.
5: Joh. 16,7.
6: Joh. 20,22.
7: 1 Joh. 2,20.
8: Ephes. 1,13.
9: Joh. 16,13.
10: Dieselben Gedanken kehren wieder in der vierten Rede c. 36.
11: Phil. 2,6.7.
12: Ps. 44,9.
13: Joh. 19,39.
14: Luk. 24,1.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
Einleitung zu den Reden gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger