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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

35.

Was aber ihre Frage anlangt, ob das Wort veränderlich sei, so ist eine lange Erwägung darob überflüssig. Denn es genügt, wenn ich nur ihre Worte niederschreibe, um ihre verwegene Gottlosigkeit zu zeigen. Denn also lauten ihre geschwätzigen Fragen: "Ist er selbständig oder nicht? Ist er durch freie Wahl und Selbstbestimmung gut und kann er nach Belieben sich ändern, weil veränderlicher Natur, oder fehlt ihm wie Holz und Stein der freie Wille, nach beiden Richtungen hin sich zu bewegen oder zu neigen?" Ihrer Häresie sind also solche Reden und Gedanken nicht fremd. Denn nachdem sie einmal aus Nichtseiendem sich einen Gott und geschaffenen Sohn gebildet haben, so haben sie folgerichtig auch solche Ausdrücke gewählt, wie sie für ein Geschöpf passen. Wenn aber diese von den Männern der Kirche, gegen die sie ankämpfen, vom wahrhaften und einzigen Worte des Vaters hören und trotzdem solche Reden über ihn zu führen sich erfrechen, wer könnte da noch etwas Abscheulicheres schauen als jene Lehre? Wer aber gerät nicht schon beim Anhören derselben in Aufregung, selbst wenn er ihr nicht entgegnen kann, und wird nicht das Ohr verschließen, bestürzt ob dem, was jene schwatzen, und ob der neuen Reden, die er vernimmt, die schon im Wortlaut die Blasphemie enthalten? Denn wenn das Wort veränderlich ist und anders werden kann, wo wird es dann stehen bleiben und wo wird es am Ende seiner Zunahme angelangt sein? Oder wie wird der Veränderliche dem Unveränderlichen ähnlich sein können? Wie wird der, welcher den Veränderlichen gesehen hat, glauben, den Unveränderlichen gesehen zu haben? In welchem Stadium seines Werdens muß er sich also befinden, wenn man den Vater in ihm soll schauen können? Denn offenbar wird man nicht immer in ihm den Vater schauen, weil der Sohn sich beständig verändert und veränderlicher Natur ist. Denn der Vater ist unveränderlich und unwandelbar und verhält sich immer auf die gleiche Weise und ist immer derselbe. Wenn aber der Sohn [S. 69] nach ihrer Ansicht veränderlich und nicht immer derselbe ist, sondern von stets veränderlicher Natur ist, wie kann er, der so beschaffene, ein Bild des Vaters sein, da er ihm in der Unveränderlichkeit nicht ähnlich ist? Wie ist er aber überhaupt im Vater, da er einen unbeständigen Willen hat? Wohl aber ist er, da er auch veränderlich ist und täglich zunimmt, noch nicht vollkommen. Doch fort mit diesem Wahnsinn der Arianer, die Wahrheit möge leuchten und ihren Unverstand beweisen! Denn wie ist der nicht vollkommen, der Gott gleich ist? Oder wie ist der nicht unveränderlich, der mit dem Vater Eins und sein wesenseigener Sohn ist? Da aber das Wesen des Vaters unveränderlich ist, so wird wohl auch die ihm entstammte eigene Zeugung unveränderlich sein. Wenn sie aber trotz dieses Sachverhalts dem Worte Veränderlichkeit andichten, so mögen sie erkennen, wo ihr Wort Gefahr läuft. An der Frucht nämlich wird auch der Baum erkannt. Darum hat auch der, welcher den Sohn gesehen hat, den Vater gesehen, und die Erkenntnis des Sohnes ist die Erkenntnis des Vaters.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
Einleitung zu den Reden gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger