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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

29.

Aber sieh doch, wenden sie ein, Gott ist auch immer Schöpfer, und die Macht zu schaffen ist nicht erst nachträglich ihm zuteil geworden. Sind nun, da er ja Schöpfer ist, auch die Geschöpfe ewig, und darf man auch von diesen nicht sagen: Sie bestanden nicht, bevor [S. 60] sie wurden? O die unverständigen Arianer! Welche Ähnlichkeit besteht denn zwischen Sohn und Geschöpf, um in derselben Weise vom Vater wie von den Schöpfern reden zu können? Wie können sie, nachdem im Vorausgegangenen ein so großer Unterschied zwischen Zeugung und Geschöpf nachgewiesen worden ist, in ihrer Unwissenheit verharren? Wieder muß man nun dasselbe sagen. Das Geschöpf ist, wie gesagt, außerhalb des Schaffenden; der Sohn aber ist die eigene Zeugung aus der Wesenheit. Deshalb muß auch das Geschöpf nicht immer sein. Denn der Schöpfer schafft, wann er will. Die Zeugung aber unterliegt nicht dem Willen, sondern gehört mit zur Wesenheit. Und ein Schöpfer ist wohl vorhanden, und man redet wohl von einem solchen, wenn auch noch keine Werke vorhanden sind. Vater aber wird wohl keiner genannt und ist auch keiner, wenn kein Sohn da ist. Wenn sie aber spitzfindig fragen, warum Gott, der immer schaffen könne, nicht immer schaffe, so verrät sich auch hier die Vermessenheit von Rasenden. "Denn wer hat die Gedanken des Herrn erforscht und wer ist sein Ratgeber gewesen?"1. Oder wie wird das Töpfergeschirr zum Schöpfer sagen: "Warum hast du mich so gestaltet?"2. Damit wir aber, nachdem wir auf einen, wenn auch nur schwachen Einwand gestoßen sind, nicht verstummen, so sollen sie hören, daß, wenn es Gott auch möglich ist, immer zu schaffen, doch die geschaffenen Dinge nicht ewig sein konnten. Denn sie sind aus Nichtseiendem und waren nicht, bevor sie wurden. Wie konnte das Nichtseiende, bevor es ward, mit dem immer seienden Gott zugleich existieren? Daher nahm Gott auf dessen Nutzen Rücksicht und hat erst dann, als er sah, daß es nach seinem Entstehen fortbestehen könne, auch alles gemacht. Und wie er sein Wort erst am Ende der Zeiten absandte, obschon er es gleich im Anfang zur Zeit des Adam und des Noe oder des Moses hätte absenden können, — denn er sah, daß dies der ganzen Schöpfung ersprießlich sei, — so machte er auch die geschaffenen [S. 61] Dinge, als er wollte und es für sie gut war. Der Sohn aber, der nicht ein Geschöpf, sondern dem Vater wesenseigen ist, existiert immer. Denn da der Vater immer ist, so muß auch immer sein das seinem Wesen Eigene, was ja sein Wort und seine Weisheit ist. Die Geschöpfe aber, auch wenn sie noch nicht existieren, entziehen dem Schöpfer nichts. Denn er hat die Macht zu schaffen, wann er will. Wenn aber die Zeugung nicht immer mit dem Vater existiert, so bedeutet dies eine Schmälerung der Vollkommenheit seines Wesens. Daher wurden die Geschöpfe durch sein Wort geschaffen, als er wollte, der Sohn aber ist immer die eigene Zeugung der Substanz des Vaters.

1: Röm. 11,34.
2: Röm. 9,20.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
Einleitung zu den Reden gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger