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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

28.

Daß man aber nicht die Geburt Gottes mit der Natur der Menschen in Vergleich bringen und glauben darf, daß der Sohn Gottes ein Teil von ihm sei, oder gar, daß die Geburt irgend ein Leiden bedeute, haben wir im Vorausgehenden bereits gesagt und behaupten auch an dieser Stelle dasselbe: Gott ist nicht wie ein Mensch. Denn die Menschen zeugen unter Leiden, da sie eine unbeständige Natur haben und bei der Schwäche ihrer Natur die Zeiten abwarten müssen. Von Gott aber kann man dies nicht sagen. Denn er ist nicht aus Teilen zusammengesetzt, sondern, weil leidensunfähig und einfach, ist er ohne Leiden und Teilung Vater des Sohnes, und hiefür steht uns wieder ein Zeugnis und Beweis von Gewicht aus den göttlichen Schriften zu Gebote. Denn das Wort Gottes ist sein Sohn und der Sohn ist Wort und Weisheit des Vaters; Wort und Weisheit aber ist weder ein Geschöpf noch ein Teil von dem, dessen Wort es ist, noch ist es eine mit Leiden verbundene Zeugung. Indem nun die Schrift beides verband, nannte sie ihn Sohn, um damit die natürliche und wahrhafte Zeugung der Wesenheit zu verkünden. Damit aber niemand auf die Vermutung komme, daß die Zeugung eine menschliche sei, sagt sie wiederum, seine Wesenheit andeutend, er sei das Wort, die Weisheit und der Abglanz. Denn daraus schließen wir auch, daß die Geburt ohne Leiden erfolgt, ewig und Gott geziemend sei. Was für ein Leiden oder was für ein Teil vom Vater ist also [S. 59] das Wort, die Weisheit und der Abglanz? Denn dies können auch die Unverständigen begreifen. Wie sie sich von den Frauen Aufschluß erbaten über ihren Sohn, so sollen sie auch noch die Männer befragen bezüglich ihres Wortes, um zu erfahren, daß das Wort, das sie hervorbringen, weder ein Leiden auf ihrer Seite noch ein Teil ihres Geistes ist. Wenn aber das Wort der Menschen, obschon sie leidensfähig und teilbar sind, so beschaffen ist, warum denken sie dann bei dem unkörperlichen und unteilbaren Gott an Leiden und Teile, um dann unter dem Scheine, als wollten sie sich ja davor in acht nehmen1, die wahre und natürliche Geburt des Sohnes leugnen zu können? Und daß die Zeugung Gottes nicht ein Leiden ist, ist mit dem oben Gesagten hinlänglich erwiesen. Erwiesen ist aber auch noch jetzt insbesondere, daß das Wort ohne Leiden gezeugt wurde. Sie sollen aber auch über die Weisheit das nämliche hören. Gott ist nicht wie ein Mensch; sie sollen auch in diesem Punkte von ihm keine menschliche Vorstellung machen. Denn während wiederum die Menschen so beschaffen sind, daß sie die Weisheit erst empfangen müssen, ist Gott, der an niemand Anteil hat, selbst Vater seiner Weisheit, und die an ihr teil haben, pflegt man weise zu nennen. Und es ist auch die Weisheit selbst kein Leiden und auch kein Teil, sondern die eigene Zeugung des Vaters. Deshalb ist er immer Vater und nicht ist die Vaterschaft zu Gott hinzugekommen; denn sonst müßte er als veränderlich gelten. Denn wenn sein Vatersein gut ist, er aber nicht immer Vater war, dann war füglich das Gute nicht immer in ihm.

1: Auf vermeintliche Gottesfurcht pochen und damit ihre Opposition gegen die Kirche rechtfertigen, war geläufige Manier der Häretiker. "Törichte und gottlose Äugst, ungläubige Furcht vor Gott!" gab solchen Hilarius [de trinitate lib. IV c. 6] zur Antwort.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger