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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

26.

Ihr aber, Arianer, erinnert euch eurer eigenen Aussprüche und sagt: Bedurfte der Seiende zur Erschaffung aller Dinge des Nichtseienden, oder bedurfte er seiner, als er bereits war? Denn ihr habt gesagt: Als Werkzeug hat er sich den Sohn aus dem Nichtseienden bereitet, um durch ihn alles zu machen. Was ist nun besser, das, was Bedürfnis hat, oder das, was dem Bedürfnis abhilft? Oder heben beide die gegenseitigen Bedürfnisse? Indem ihr nämlich solches redet, zeigt ihr mehr die Ohnmacht dessen an, der bereitet hat, wenn er ja allein nicht imstande war, alle Dinge zu schaffen, sondern von außen sich ein Werkzeug ersinnen muß wie ein Zimmermann oder Schiffsbaumeister, der ohne Axt und Säge gar nichts arbeiten kann. Was ist nun gottloser als dies? Oder was braucht man überhaupt sich dabei aufzuhalten, als wäre es von Bedeutung, da doch das bereits Gesagte hinlänglich dartut, daß ihre Reden nur Phantastereien sind. Auf ihre zweite ganz einfältige und törichte Frage aber, die sie an die Weiblein richten, sollte man ebenfalls nichts oder nur das zur Antwort geben, was wir bereits früher gesagt haben, daß man nämlich die Geburt aus Gott nicht nach der [S. 56] menschlichen Natur bemessen dürfe. Damit sie aber doch auch hierin sich selbst das Urteil sprechen, so ist es gut, sie wieder mit ihren eigenen Worten in folgender Weise zu schlagen. Sie sollen nur, wenn sie an Eltern über einen Sohn Fragen stellen, sich darüber Gedanken machen, woher das geborene Kind kommt. Denn wenn der Vater einen Sohn nicht hatte, bevor er ihn zeugte, so empfing er ihn, wenn er einen bekommen, nicht von außen noch als einen fremden, sondern aus sich selbst und als einen seinem Wesen eigenen und als ein unverändertes Bild, so daß dieser in jenem gesehen und jener in diesem wahrgenommen wird. Wenn sie also aus den menschlichen Beispielen die Zeit1 der Zeugenden abnehmen, warum berücksichtigen sie nicht vom gleichen Standpunkt aus auch die naturhafte und eigengehörige Beziehung der Kinder zu den Eltern, sondern sammeln nach Art der Schlangen aus der Erde nur das, was zur Giftbereitung dienlich ist? Sie hätten, wenn sie sich an die Eltern mit der Frage wandten: Hattest du einen Sohn, bevor du ihn erzeugtest? auch hinzufügen und sagen sollen: Wenn du einen Sohn hast, erwirbst du ihn von außen wie ein Haus oder ein anderes Besitztum? Dann würde dir zur Antwort gegeben: Er ist nicht von außen, sondern aus mir. Denn was von außen kommt, sind Besitzungen und geht von einem auf den andern über. Der Sohn aber ist aus mir und meiner Substanz eigen und ähnlich, nicht von einem andern auf mich übergegangen, sondern aus mir erzeugt. Deshalb bin ich ganz in jenem, indes ich selbst bleibe, was ich bin. So also verhält es sich. Wenn auch der Vater der Zeit nach vom Sohne verschieden ist, da er als Mensch auch in der Zeit geworden ist, so hätte doch auch er einen Sohn, der immer mit ihm existierte, wenn nicht die Natur es unmöglich machte und hinderte. Denn auch Levi war noch in den Lenden seines Urgroßvaters, bevor er gezeugt wurde und bevor der Großvater gezeugt ward2. [S. 57] Wenn also der Mensch das Alter erreicht, in dem die Natur die Möglichkeit der Zeugung gewährt, so wird der Mensch, da die Natur kein Hindernis mehr bietet, Vater des aus ihm entsprossenen Sohnes.

1: Nämlich das früher und das Später des Erzeugenden und des Erzeugten.
2: Der griechische Text lautet: πρὶν ὁ πὰππος γεννὴσῃ, was Montfaucon wiedergibt mit den Worten: cum nondum eum avus genuisset = bevor der Großvater ihn zeugte. Nun aber wurde Levi nicht vom Großvater gezeugt, noch auch war er erst von dem Augenblick an nicht mehr im Urgroßvater, als der Großvater zeugte, sondern schon von da ab, als der Großvater gezeugt war. Neue Übersetzer haben daher wohl mit Recht hier eine Textverderbnis angenommen und übersetzten, wie wenn es hieße: πρὶν ὁ πὰππος γεννησῇ [so Robertson und ihm folgten auch wir in der Übersetzung] oder πρὶν ὁ πὰππος γεννὴσῃ [so die alte Übersetzung von Fisch]. Freilich geben die Handschriften selbst zu dieser Textverbesserung keinen Anhaltspunkt, und man könnte vielleicht auch diese unverständliche Stelle auf ein Versehen des Athanasius zurückführen.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger