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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

24.

Fürs erste ist jene ihre erste Frage töricht und unklar. Denn sie stellen ihren Fragepunkt gar nicht heraus, so daß der Gefragte auch eine Antwort geben könnte, sondern sie sagen einfach: "Der Seiende den Nichtseienden". Wer ist denn der Seiende und was das Nichtseiende, ihr Arianer? Oder wer ist der Seiende und wer der Nichtseiende, und was wird seiend genannt und was nichtseiend? Denn der Seiende kann das Nichtseiende machen wie das Seiende und wie das Vorausgegangene. Es bearbeitet ja ein Zimmermann, Goldschmied und Töpfer den Stoff, der vorhanden ist und schon vor ihm existierte, nach der ihm eigenen Fertigkeit und macht beliebige Geräte. Er aber, der Gott aller Dinge, nimmt den vorhandenen, von ihm bereits geschaffenen Staub von der Erde und bildet den Menschen1. Doch die Erde selbst wieder, die ehedem nicht war, hat er später durch sein eigenes Wort ins Dasein gesetzt. Wenn sie nun so fragen, so ist offenkundig, daß die Kreatur nicht war, bevor sie wurde, daß aber die Menschen den vorhandenen Stoff bearbeiten, und ihre Rede wird zusammenhanglos erscheinen, da sowohl wird, was ist, als auch wird, was nicht ist, wie wir gesagt haben. Wenn sie aber von Gott und seinem Worte reden, so sollen sie zur Frage das Mangelnde hinzufügen und dann fragen: War der seiende Gott jemals ohne Wort und der, welcher das Licht ist, jemals ohne Licht, oder existiert immer ein Vater des Wortes? Oder auch wieder so: Hat der seiende Vater das nichtseiende Wort gemacht oder hat er das eigene Wort, die Zeugung seiner Wesenheit, immer bei sich, so daß man auch erkennen könnte, daß sie überhaupt über Gott und den, der aus ihm ist, zu neugierig forschen und in Sophistereien sich zu ergehen wagen. Denn wer wird sie ausstehen können, wenn sie sagen, daß Gott jemals ohne Wort gewesen sei. Sie sind nämlich wieder [S. 53] gleich den früheren auf dasselbe2 gestoßen, obgleich sie dieser Klippe zu entgehen bezw. sie durch ihre Spitzfindigkeiten zu verbergen suchten; doch es gelang ihnen nicht. Denn niemand würde sie auch nur hören wollen, wenn sie behaupteten, Gott sei nicht immer Vater gewesen, sondern sei dies erst später geworden, um so sich einbilden zu können, daß auch sein Wort einmal nicht gewesen, da ja die bereits genannten Gegengründe nicht wenige sind, und auch Johannes sagt: "Es war das Wort"3 und Paulus wiederum schreibt: "Welcher der Abglanz der Herrlichkeit ist"4 und: "Welcher ist über alles, Gott, gepriesen in Ewigkeit. Amen"5.

1: Gen. 2,7.
2: Nämlich auf das in der Zeit gewordene "Wort. Athanasius will sagen: Die Beantwortung der von den Arianern gestellten verschleierten Frage: "Hat der Seiende den Seienden oder den Nichtseienden gemacht?" im letzteren Sinne, wie sie von ihnen erwartet wurde, da ja der Seiende schon bestand und also nicht mehr gemacht zu werden brauchte, decke sich mit der Behauptung: "Gott war einmal ohne Wort" oder: "Es war einmal, da das Wort nicht war". In jedem Fall liege die Leugnung der ewigen Existenz des Wortes vor.
3: Joh. 1,1.
4: Hebr. 1,3.
5: Röm. 9,5.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
Einleitung zu den Reden gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger