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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

19.

Wenn Gott die Quelle der Weisheit und des Lebens ist und genannt wird, wie es bei Jeremias heißt: "Mich haben sie verlassen, die Quelle des lebendigen Wassers"1, und wieder: "Erhabener Thron der Herrlichkeit, unsere Heiligung, Hoffnung Israels, o Herr! Alle, die Dich verlassen, sollen zu Schanden werden, die Dir fernestehen, sollen auf den Erdboden geschrieben werden, weil sie den Herrn, die Quelle lebendigen Wassers, verlassen haben2, bei Baruch aber geschrieben steht: "Die Quelle der Weisheit habt ihr verlassen"3, so folgt daraus wohl, daß das Leben und die Weisheit dem Wesen der Quelle nicht fremd, sondern eigen sind, und niemals existenzlos, sondern immer waren. Es ist dies aber der Sohn, der sagt: "Ich bin das Leben"4 und: "Ich, die Weisheit, wohne im Rate"5. Wie nun, ist der nicht gottlos, der sagt: "Es war einmal, da der Sohn nicht war"? Denn das kommt der Behauptung gleich: Es war einmal, da die Quelle ausgetrocknet, ohne das Leben und die Weisheit war. Das wäre aber gar keine Quelle. Denn das, was nicht aus sich selbst erzeugt, ist keine Quelle. Wie voll Ungereimtheit ist nicht dies! Denn Gott verkündet, daß die, welche seinen Willen tun, wie eine Quelle sein werden, der das Wasser nicht ausgeht, indem er durch den Propheten Isaias spricht: "Du wirst gesättigt werden, wie deine Seele sich sehnt, und deine Gebeine werden fett werden und werden sein wie ein getränkter Garten und wie eine Quelle, deren Wasser nie versiegt"6 . Diese aber wagen es, Gott, der die Quelle der Weisheit heißt und ist, zu lästern, als wäre er unfruchtbar und einmal ohne seine eigene Weisheit gewesen. Aber was aus ihrem Munde kommt, ist Lüge. Die Wahrheit aber bezeugt, [S. 46] daß Gott die ewige Quelle seiner eigenen Weisheit sei. Wenn aber die Quelle ewig ist, dann muß auch die Weisheit ewig sein. Denn in dieser ist auch alles entstanden, wie David singt: "Alles hast Du in Weisheit gemacht"7 und Salomo sagt: "Gott hat durch seine Weisheit die Erde befestigt und die Himmel bereitet in Einsicht"8. Die Weisheit selbst ist das Wort, und durch dieses wurde, wie Johannes sagt, alles, und ohne dasselbe ist nichts geworden. Dieses selbst aber ist Christus. "Denn Einer ist Gott, der Vater, aus dem alles, und dem auch wir angehören, und Einer ist der Herr, Jesus Christus, durch den alles und wir durch ihn"9. Wenn aber alles durch ihn ist, so kann er selbst nicht zu allem gerechnet werden. Denn wer zu behaupten wagt, daß der, durch den alles ist, Einer von allem sei, wird gewiß doch auch von Gott, aus dem alles ist, dieselbe Ansicht haben. Wenn aber einer diese Ansicht als ungereimt von sich weist und Gott von allem als einen andern trennt, so darf man füglich auch den eingeborenen, wesenseigenen Sohn des Vaters vom All verschieden nennen. Wenn er aber nicht zu allem gehört, so kann man nicht mit Recht von ihm sagen: "Es war einmal, da er nicht war" und: "Er war nicht, bevor er gezeugt wurde". Denn solche Ausdrücke mag man zutreffend auf die Geschöpfe anwenden. Der Sohn selbst ist aber so beschaffen wie der Vater, dessen wesenseigene Zeugung, Wort und Weisheit er auch ist. Denn das ist dem Sohne dem Vater gegenüber eigen, und das zeigt, daß der Vater dem Sohne eigen ist, so daß man weder Gott jemals das Wort, noch dem Sohne jemals die Existenz absprechen kann. Denn wie wäre er Sohn, wenn er nicht von ihm wäre, oder wie wäre er Wort und Weisheit, wenn er nicht immer und ihm eigen wäre?

1: Jer. 2,13.
2: Jer. 17,12 f.
3: Bar. 3,12.
4: Joh. 14,6.
5: Sprichw. 8,12.
6: Is. 58,11.
7: Ps. 103,24.
8: Sprichw. 3,19.
9: 1 Kor. 8,6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger