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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

16.

Da diese Ansichten also ungereimt sind und offenbar mit der Wahrheit im Widerspruch stehen, so muß man sagen: das, was aus dem Wesen des Vaters stammt, ist durchaus dessen eigener Sohn. Denn daß in allem an Gott Anteil genommen werde, kommt der Behauptung gleich, daß Gott zeuge. Auf was anders aber weist "zeugen" hin als auf "Sohn"? Am Sohne selbst also nimmt alles Anteil gemäß der von ihm stammenden Gnade des Geistes, und daraus erhellt, daß der Sohn selbst an nichts Anteil hat1, das aber, woran am Vater Anteil genommen wird, der Sohn ist. Denn wenn wir am Sohn Anteil haben, sagt man von uns: wir hätten an Gott Anteil, und eben das sagte Petrus mit den Worten: "Damit ihr teilhaft werdet der göttlichen Natur"2, wie auch der Apostel sagt: "Wißt ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid?" und: "Denn wir sind ein Tempel des lebendigen Gottes"3. Und indem wir den Sohn selbst sehen, sehen wir den Vater. Denn das Erkennen und Begreifen des Sohnes ist ein Erkennen des Vaters, weil er die eigene Zeugung aus seinem Wesen ist. Wie aber wohl niemand aus euch die Teilnahme ein Leiden oder eine Teilung des Wesens Gottes nennen würde [S. 42] — es ist ja gezeigt und zugegeben worden, daß eine Teilnahme an Gott stattfindet, und daß Teilnahme und Zeugung dasselbe sind —, so ist die Zeugung kein Leiden und auch keine Teilung jener seligen Wesenheit. Es ist also nicht unglaublich, daß Gott einen Sohn habe, die Zeugung seines eigenen Wesens. Und wir denken daher auch nicht an ein Leiden oder eine Teilung des Wesens Gottes, wenn wir von Sohn und Zeugung reden, sondern wir haben vielmehr diesen Glauben, indem wir das Echte, Wahre und Eingeborene an Gott erkennen. Da diese Wahrheit so herausgestellt und bewiesen ist, daß diese Zeugung aus dem Wesen des Vaters der Sohn ist, so ist es wohl niemand mehr zweifelhaft, sondern ganz klar, daß diese die Weisheit und das Wort des Vaters ist, in dem und durch das er alles erschafft und macht, und sie ist sein Abglanz, in dem er alles erleuchtet und sich offenbart, wem er will. Sie ist sein Ausdruck und Abbild, in dem er geschaut und erkannt wird, weshalb auch er und der Vater eins sind. Denn wer ihn sieht, sieht auch den Vater. Diese Zeugung ist Christus, in dem alles erlöst wurde, und in dem er die Schöpfung wieder erneuert hat4. Da also der Sohn so beschaffen ist, so schickt es sich nicht, sondern ist gar sehr verhängnisvoll zu sagen, dieser sei ein Geschöpf aus dem Nichtseienden, oder "er war nicht, bevor er geboren wurde". Denn wer sich über das, was dem Wesen des Vaters eigen ist, so ausspricht, der lästert wider den Vater selbst, indem er über ihn Ähnliches denkt, was er auch von seiner Zeugung zusammenspinnt und lügt.

1: Nur in dem Sinn nimmt der Sohn an nichts Anteil, als er nicht bloß an einem Teil der väterlichen Wesenheit Anteil hat, da es in der Wesenheit Gottes, wie er kurz hernach ausführt, keine Teilung gibt.
2: 2 Petr. 1,4.
3: 1 Kor. 3,16.17.
4: Kor. 5,17.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger