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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

14.

Wenn man das so nachweist, dann werden sie noch unverschämter und sagen: Wenn nie einmal war, da er nicht war, sondern wenn der Sohn ewig ist und zugleich mit dem Vater existiert, so nennt ihr ihn doch nicht mehr Sohn, sondern Bruder des Vaters. O die Unverständigen und Streitsüchtigen! Wenn wir von ihm nur das ewige Sein mit dem Vater aussagten und ihn nicht auch Sohn nennen würden, dann hätte ihre erheuchelte Gewissenhaftigkeit einige Glaubwürdigkeit. Wenn wir ihn aber ewig nennen und zugleich als Sohn aus dem Vater bekennen, wie kann der Erzeugte als Bruder des Erzeugers gelten? Und wenn unser Glaube den Vater und Sohn zum Inhalt hat, welches Bruderverhältnis besteht dann unter diesen? Oder wie kann das Wort Bruder desjenigen genannt werden, dessen Wort es ist? Es ist indes das kein Einwand, der aus Unwissenheit erhoben würde, erkennen sie ja doch auch selbst die Wahrheit. Es ist vielmehr ein jüdischer Vorwand, der, wie Salomon sagte, von solchen kommt, die sich von der Wahrheit trennen wollen1. Denn nicht aus einem früher existierenden Prinzip wurden der Vater und der Sohn erzeugt, um für Brüder gehalten zu werden, sondern der Vater ist das Prinzip des Sohnes und sein Erzeuger, und der Vater ist Vater und ist nicht jemands Sohn geworden. Und der Sohn ist Sohn und nicht Bruder. Wenn er nun ewige Zeugung des Vaters genannt wird, so heißt er so mit Recht. Denn nie war die Wesenheit des Vaters unvollkommen, so daß das ihr Eigentümliche erst nachträglich hinzugekommen wäre, Auch ist der Sohn nicht wie ein Mensch aus einem Menschen erzeugt worden, so daß er später wäre als die väterliche Existenz, sondern er ist eine Zeugung Gottes, und als des ewigen Gottes eigener Sohn existiert er von Ewigkeit her. Den Menschen ist es ja eigen, in der Zeit zu zeugen, weil ihre Natur unvollkommen ist. Die Zeugung Gottes aber ist [S. 39] ewig, weil seine Natur immer vollkommen ist2. Wenn er also nicht Sohn, sondern ein Gebilde aus Nichtseiendem geworden ist, so mögen sie es uns erst beweisen und dann mögen sie in ihrer Einbildung wie von einem Gebilde kreischen: "Es war einmal, da er nicht war". Denn das Gewordene ist geworden, da es nicht war. Wenn er aber Sohn ist — und das sagt der Vater und verkündet laut die Schrift —, der Sohn aber nichts anderes ist als die Zeugung vom Vater, das vom Vater Gezeugte aber sein Wort, seine Weisheit und sein Abglanz ist, was muß man dann anders sagen als daß sie mit den Worten: "Es war einmal, da der Sohn nicht war", wie Räuber Gott das Wort entziehen und geradezu von ihm behaupten, daß er einmal ohne sein eigenes Wort und seine Weisheit existierte, und das Licht einmal ohne Glanz und die Quelle unfruchtbar und trocken war? Denn wenn sie auch das Wort "Zeit" heuchlerisch meiden aus Furcht vor ihren Tadlern und sagen, daß er vor den Zeiten war, so nehmen sie doch gewisse Zeiträume an, in denen er nach ihrer Einbildung nicht war, und sind sehr gottlos, da sie nichtsdestoweniger von Zeiten reden und bei Gott ein Fehlen von Wort [Vernunft] und Weisheit annehmen.

1: Sprichw. 18,1.
2: Die Arianer fragten: "Wie kann Gott immer vollkommen sein, wenn ein Sohn [zu ihm] hinzukam?'' Athanasius fragt entgegnend : "Wie sollte der Sohn nicht ewig sein, wenn Gott immer vollkommen ist?"

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger