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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

13.

Daß also die Schrift mit ihren Worten die Ewigkeit des Sohnes lehrt, erhellt aus dem Gesagten. Daß aber das, was die Arianer mit den Worten "er war nicht" und "bevor" und "da" zum Ausdruck bringen, dieselbe Schrift von den Geschöpfen aussagt, soll wieder das Folgende dartun. Moses erzählt nämlich in seinem Bericht über unsere Erschaffung: "Und jedes Gewächs des Feldes, ehe es aufging in der Erde, und jedes Gras des Feldes, bevor es aufsproßte. Denn noch nicht hatte Gott regnen lassen auf die Erde, und es war noch kein Mensch, den Boden zu bebauen"1. Und im Deuteronomium: "Als der Höchste die Völker teilte"2. Der Herr aber sprach durch seinen eigenen Mund: "Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, daß ich sagte: ich gehe zum Vater. Denn der Vater ist größer als ich. Und jetzt habe ich es euch vorhergesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubet, wenn es geschehen ist"3. Über die Schöpfung aber redet er durch Salomo: "Bevor er die Erde schuf, und bevor er die Abgründe machte, bevor die [S. 37] Wasserquellen hervorbrachen und die Berge befestigt wurden, und vor allen Hügeln zeugt er mich"4, und: "Bevor Abraham ward, bin ich"5. Und von Jeremias sagt er: "Bevor ich dich im Mutterleibe bildete, kenne ich dich"6. Und David singt: "Herr, Du bist meine Zuflucht geworden von Geschlecht zu Geschlecht. Bevor die Berge wurden und gebildet ward die Erde und ihr Umkreis, bist Du von Ewigkeit zu Ewigkeit"7. Und bei Daniel: "Mit lauter Stimme rief Susanna und sprach: Ewiger Gott, der Du das Verborgene kennst und alles weißt, ehe es geschieht"8. Ausdrücke also wie: "er war einmal nicht" oder "bevor er wurde", oder "als", kurz, alle solcher Art werden passenderweise nur von gewordenen und geschaffenen Dingen gebraucht, die aus Nichtseiendem entstanden sind, haben aber mit dem Worte nichts zu tun. Wenn aber die Schrift diese Ausdrücke von den gewordenen Dingen, das Wort "ewig" aber vom Sohne gebraucht, dann ist also nicht, ihr Gottesfeinde, der Sohn aus Nichtseiendem entstanden, noch gehört überhaupt der Sohn zu den gewordenen Dingen, sondern ist des Vaters ewiges Bild und Wort, das niemals nicht war, sondern immer ist, da er des ewigen Lichtes ewiger Abglanz ist. Was phantasiert ihr also von Zeiten vor dem Sohne? Oder was setzt ihr in blasphemischer Weise das Wort hinter die Zeiten, durch das doch auch die Zeiten erst entstanden sind? Denn wie wäre überhaupt eine Zeit oder ein Jahrhundert entstanden, wenn, wie ihr wähnt, das Wort noch nicht erschienen wäre, durch das doch alles entstanden, und ohne das auch gar nichts geworden ist? Oder warum sagt ihr, die Zeit nur andeutend, nicht frei heraus: "Es gab eine Zeit, da das Wort nicht war"? Aber ihr haltet mit dem Worte "Zeit" zurück, um die Arglosen zu hintergehen; eure Gesinnung verdeckt ihr aber damit durchaus nicht; ja wenn ihr sie auch zu verbergen sucht, so [S. 38] könnt ihr doch nicht verborgen bleiben. Ihr deutet ja die Zeiten an, wenn ihr sagt: "Es war einmal, da er nicht war" und: "Er war nicht, bevor er gezeugt wurde".

1: Gen. 2,5.
2: Deut. 32,8.
3: Joh. 14,28.29.
4: Sprichw. 8,23-25.
5: Joh. 8,58.
6: Jer. 1,5.
7: Ps. 89,1.2.
8: Dan. 13,42.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger