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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Erste Rede

11.

Ihr habt gesagt und meint, wie jener es euch beibringt, daß einmal [eine Zeit] war, da der Sohn nicht war. Denn diese Maske eurer Erfindung muß man euch zuerst herabreißen. Was war also einmal, als der Sohn nicht war? Redet, ihr gottlosen Lästerzungen! Wenn ihr nun den Vater nennt, dann ist eure Blasphemie noch ärger. Denn es geht nicht an zu sagen: "es war einmal" bezw. ihn in dem Worte "einmal" anzudeuten. Denn er [S. 33] ist immer und ist auch jetzt und existiert, da auch der Sohn existiert, und er selbst ist der Seiende und des Sohnes Vater. Wenn ihr aber sagt, daß der Sohn einmal war, da er selbst nicht war, so ist die Antwort töricht und unvernünftig. Denn wie war er selbst, und war er selbst nicht? Wenn ihr nun hierin schon in Verlegenheit kommt, so müßt ihr noch weiterhin sagen: Es war einmal eine Zeit, da das Wort nicht war. Denn darauf deutet ja schon euer Beiwort "einmal" hin. Und was ihr wiederum schriftlich ausgesprochen habt: "Der Sohn war nicht, bevor er gezeugt wurde", heißt soviel als sagtet ihr: "Es war einmal, da er nicht war". Denn, daß die Zeit vor dem Worte gewesen, besagt erstere Ausdrucksweise wie letztere. Wo nun habt ihr dies ausfindig gemacht? Habt etwa auch ihr den Heidenvölkern gleich getobt und sinnt auf eitle Reden wider den Herrn und seinen Gesalbten1? Denn in keiner Stelle der Schrift ist so etwas vom Erlöser ausgesagt, sondern vielmehr das "immer", das "ewig" und das "ewige Sein mit dem Vater". "Denn im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort"2. Und in der Apokalypse spricht er also: "Der ist und der war und der kommen wird"3. Wer aber könnte von dem, "der ist" und dem, "der war" den ewigen trennen? Davon suchte ja auch Paulus in seinem Briefe an die Römer die Juden zu überzeugen, wenn er schrieb: "Von denen Christus dem Fleische nach stammt, der da ist über alles, Gott, gepriesen in Ewigkeit"4. Zur Widerlegung der Heiden aber sagte er: "Denn das Unsichtbare an ihm wird am Schöpfungswerk der Welt in den erschaffenen Dingen geistig wahrgenommen: seine ewige Kraft und Gottheit"5. Wer aber die Kraft Gottes ist, lehrt er selbst wieder in den Worten: "Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit"6. Denn er bezeichnet mit diesen Worten doch nicht den Vater, wie ihr oft einander zuflüstert [S. 34] und sagt: "Der Vater ist seine eigene ewige Kraft". Doch dem ist nicht so. Denn er hat nicht gesagt: Gott selbst ist die Kraft, sondern: "Sein ist die Kraft". Es ist aber allen klar, daß das Seinige nicht er selbst ist, aber ihm auch nicht fremd, sondern vielmehr ihm eigen ist. Beachtet aber auch den Zusammenhang der Worte7 und wendet euch zu dem Herrn, ["der Herr aber ist Geist"]8 und ihr werdet sehen, daß die Stelle auf den Sohn geht.

1: Ps. 2,1.
2: Joh. 1,1.
3: Apok. 1,4.
4: Röm. 9,5.
5: Röm. 1,20.
6: 1 Kor. 1,24.
7: Die zitierte Stelle (1 Kor. 1,23 f.) lautet im Zusammenhang: "Wir aber predigen Christum, den Gekreuzigten, den Juden ein Anstoß, den Heiden eine Torheit, den Berufenen aber, Juden wie Heiden, Christum, Gottes Kraft und Gottes Weisheit". Aus der Parallelstellung von "Christum, den Gekreuzigten, den Juden ein Anstoß . . ." und "Christum, Gottes Kraft und Weisheit" könnten die Gegner, meint Athanasius, ganz wohl die letztere Beifügung zu Christus als solche und der ersteren entsprechende erkennen und einsehen, daß "Gottes Kraft und Weisheit" nichts von Christus Verschiedenes ist.
8: 2 Kor. 3,17.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger