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Epiphanius v. Salamis († 403) - Der Festgeankerte (Ancoratus)
Brief

94.

Gekreuzigt wurde er also, gekreuzigt der Herr, und ihn, den Gekreuzigten und Begrabenen, der am dritten Tage auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist, beten wir an. "O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und Erkenntnis Gottes", wie die Schrift sagt1 . "Zum Teile erkennen wir und teilweise weissagen wir"2 . Wir schöpfen nämlich gleichsam aus dem Meere nur einen Tropfen der Erkenntnis Gottes und erfassen [unvollkommen] die Tatsache dieser großartigen Heilsveranstaltung und die Gnade unserer Hoffnung, des Heilswerkes Gottes selbst, nach dem Wohlgefallen des Vaters, nach dem Willen des Sohnes mit dem Willen des Hl. Geistes. Die Verkündigung der Auferstehung enthält die ganze Hl. Schrift an vielen Stellen, aber die Vollendung derselben war der Erscheinung des wesenhaften Wortes aufbehalten. "Denn die Fülle des Gesetzes ist Christus"3 . Wo spräche die göttliche Schrift nicht von einer Auferstehung? Zu allererst predigt Abels Blut die Auferstehung; denn auch nach seinem Tode "ruft es zu Gott", wie uns die Hl. Schrift berichtet4 . Enoch wurde hinweggenommen und nicht menr gefunden und er sah den Tod nicht, weil er "Gott gefiel"5 . Noe baute nach dem Befehle Gottes die Arche, indem er sie sich herrichtete zur Wiedergeburt für seine Familie6 . Abraham erhielt hochbetagt und mit schon erstorbenem Leibe einen Sohn, und Gott gab ihm Erfüllung seiner Hoffnung sozusagen aus Totem, indem ja der Leib der Sara erweckt Gott zu neuer Kraft, und so ge-naturnotwendigen Laufe der Dinge schon erstorbenen Leib der Sara erweckt Gott zu neuer Kraft und so gebiert die alte Sara gleich einem jungen Weibe7 . Isaak wird gleichsam vom Tode ins Leben zurückgerufen, dem Vater zurückgegeben. Gott wollte nämlich dadurch, daß er wie von den Toten dem Vater das Kind lebend zurückgab, Hoffnung [der Auferstehung]8 ihm einflößen. Auch Jakob bezeugt uns dasselbe, weil er bezüglich seiner Gebeine eine Hoffnung hegte, die er nicht in den Hintergrund treten ließ.Sicherlich aber wollte er nicht etwa um die vergänglichen Gebeine als solche eine so große Sorgfalt angewendet wissen, sondern weil sie wieder aufleben sollten, darum befahl er nachdrücklich, daß sie aus dem Lande Ägypten weggetragen würden. Auch Joseph deutete dies an mit den Worten: "Nehmet meine Gebeine von hier mit euch, denn Gott wird euch heimsuchen“9 . Wäre keine Hoffnung auf die Auferstehung, wozu diente dann die gar so große Sorgfalt um die Gebeine, indem die Gerechten betreffs derselben so genaue Auftrage und Vorschriften gaben? Auch jene erste Berufung, die von Gott an Moses erging, gibt uns Zeugnis. Gott sprach nämlich: "Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs "10 , [wobei wir erganzen], die in der Welt schon längst gestorben sind, aber bei mir leben.Es ist einer und derselbe Geist, der im Gesetze dieses geredet hat und im Evangelium uns belehrt, was der Herr den Sadduzäern angedeutet hat mit den Worten: "Der gesprochen hat in den Propheten, sieh, da bin ich11 .

1: Röm. 11, 33.
2: 1 Kor. 13, 9.
3: Röm. 10, 4.
4: Hebr. 11, 4.
5: Gen. 5, 24. Hebr. 11, 5.
6: Holl 115, 23 : ἑαυτῷ παλιγγενεσίαν τῷ οἰκείῳ ἐργαζόμενος οἴκῳ. Der Text erscheint lückenhaft; die Arche soll wohl als Bild eines Grabes, das die darin Beschlossenen wieder herausgab, die Auferstehung versinnbilden.
7: Epiphanius ergeht sich hier in unbehaglicher Breite: Καὶ τὸ πεπαλαιωμένον καὶ ἐγγὺς ἀφανισμοῦ γεγονὸς τῆς κατ’ ἐθισμὸν γυναικὸς ἀκολουθίας, ἠ ξηρανθεῖσα πηγὴ αὖθις δύναμιν λαμβάνει εἰς καταβολὴν σπέρματος,καὶ ἡγηραλέα νεωτέρα κυΐσκει. [W.].
8: Der Zusammenhang hier fordert diese Ergänzung ebenso zwingend, als diese Tendenz dem erwähnten Bericht in der Hl. Schrift ferne liegt.
9: Gen. 50, 25; Exod. 13, 19.
10: Ebd. 3, 6.
11: Agraphon, vgl. Resch 2, S. 207.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger