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Epiphanius v. Salamis († 403) - Der Festgeankerte (Ancoratus)

Briefliche Anfrage

Briefliche Anfrage

BRIEFLICHE ANFRAGE des Palladius, Bürgers der nämlichen Stadt Suedra an ebendenselben Epiphanius, Bischof von Konstanzia auf Cypern, in der gleichen Angelegenheit.

Meinem verehrten Herrn, dem gottseligen Bischof Epiphanius entbietet Palladius1 , Bürger von Suedra, Gruß im Herrn.

Solange sanfter Wind das Schiff in seinem Kurs geradeaus treibt, kümmern sich diejenigen, welche das weite, breite Meer durchkreuzen wollen, nur wenig um die Häfen an den Gestaden, da sie glauben, mit leichter Mühe ihren Nachen über See zu bringen. Sobald aber eine widrige Bö in die Segel fährt, von allen Seiten die Wellenberge in die Höhe peitscht und das Schiff umbrandet, dann sehnen sie sich allerdings nach dem ruhigen Hafen und spähen das ganze in Sicht liegende Festland ab; können sie aber nirgends vor Anker gehen, so bleibt ihnen keine andere Wahl, als an einer zufällig vielleicht gerade nahen Insel zu landen, um sich zu retten, wie es eben geht. Nur indem sie auf diese zuhalten und sich unter den Schutz der vorgelagerten Klippen flüchten, können sie mit knapper Not dem ringsum drohenden Verderben entrinnen. So geht es auch uns2 , mein Herr, die wir, in der Heilslehre Gottes unterrichtet, das unruhige Meer des Weltgetriebes verlassen und unser Lebensschifflein in den sturmlosen Hafen Christi steuern möchten. Wir erfahren nämlich, wie gegenstandslose und, nach meinem Urteile wenigstens, unvernünftige Fragen über den Hl. Geist aufgeworfen werden von Leuten, die sagen, man dürfe ihn nicht zugleich mit der göttlichen Majestät verherrlichen, sondern er stehe auf der Stufe eines Dieners und Boten Gottes; ja sie verbreiten noch schlimmere und erniedrigendere Lehren über ihn. So sehen wir uns denn von ruhelosem Wogentanz und schwerer Brandung umtost, können aber in unserem Kreise keinen finden, der geeignet wäre, die aufgeworfenen Fragen zu lösen und die gesunde Lehre uns zu entwickeln, weshalb wir uns gezwungen fühlen, deiner Frömmigkeit die Sache vorzulegen, indem auch wir mit Fug jenen Hilferuf ausstoßen: „Meister, rette uns." Wir flehen also zu deiner über jeden Verdacht erhabenen Rechtgläubigkeit, welche vorab schon guter Ruf und vertrauenswürdige Zeugen bekunden und verkünden. Würdige dich, vom Heiland dazu berufen, unsere Bitte nicht ungut aufzunehmen und wolle in einem heiligen Brief in etwas breiter und gemeinverständlicher Ausführung den Glauben an die heilige Dreifaltigkeit darlegen und dies dann an uns senden zu dem Zwecke, daß wir, die wir darin befestigt sind, erlangen, was wir anstreben; daß ferner diejenigen, welche schon gut nach diesem Glauben wandeln, sich erfreuen, die Irrenden womöglich sich bekehren und Gott in allem verherrlicht werde3 .

1: πολιτευόμενος: Zu der Bezeichnung des Palladius als Bürger steht die Angabe im Antwortsohreiben, daß er Mönch sei, in einem Gegensatz, der vielleicht dahin aufzulösen ist. daß Palladius, ein Bürger von Namen, seinen Anschluß ans Mönchtum seiner Heimatstadt eben erst ins Werk setzt, wie der Brief andeutet.
2: Palladius schreibt zugleioh im Namen des Severianus.
3: 1 Petr. 4, 11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger