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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Elftes Buch

1. Einen Glauben gibt es, wie an einen Herrn, so auch an einen Gott.

[S. 229] Vielfach hat der Apostel das ganze und unbezweifelbare Geheimnis des evangeliengetreuen Glaubens dargelegt. Unter anderen Satzungen hinsichtlich der göttlichen Erkenntnis hat er auch dies zu den Ephesern gesprochen: „wie auch ihr berufen seid in einer Hoffnung eures Rufes. Einen Herrn gibt es, einen Glauben, eine Taufe, einen Gott und Vater von allen, sowohl durch alle insgesamt als in uns allen”.1 Er hat uns nämlich nicht an mehrdeutige und irreführende Bemühungen um unbestimmbare Lehre ausgeliefert oder den Menschengeist für ungewisse Meinungen freigegeben, indem er selbst Hemmnisse aufrichtete und entgegenstellte und dadurch die Willkür des Meinens und Wollens verschloß. Er wollte es nicht zulassen, daß wir nach etwas anderem mit unserem Sinnen trachteten als nur nach dem, was seine Lehre war, da es kraft der bestimmten Festsetzung unveränderlichen Glaubens nicht mehr freistand, anders und anders den Glauben zu fassen.

Einen Herrn lehrt er uns also, einen Glauben hebt er hervor; dadurch, daß er danach den einen Glauben an den einen Herrn hervorhebt, beweist er auch die Einheit der Taufe; da es nämlich nur einen Glauben an einen Herrn gibt, sollte es vermöge des einen Glaubens an einen Herrn nur eine Taufe geben. Weil [S. 230] das ganze Sakrament der Taufe und ebenso auch des Glaubens, wie in einem Herrn, so auch in einem Gott begründet ist, so hat er die Vollendung unserer Hoffnung durch das Bekenntnis des einen Gottes herbeigeführt, damit es eine Taufe und einen Glauben wie an einen Herrn, so auch an einen Gott gebe.

Jeder dieser beiden ist nämlich einer, nicht in (zahlenmäßiger) Einheit, sondern vermöge seiner Eigentümlichkeit, sofern es einerseits einem jeden eigentümlich ist, einer zu sein, etwa dem Vater das Vater-sein oder dem Sohn das Sohn-sein; sofern anderseits das Geheimnis der Einheit sich auf beide bezieht, weil jeder in seiner Eigentümlichkeit nur einer ist. Denn der eine Herr Christus vermag Gott dem Vater das Herr-sein nicht zu nehmen; und man erkennt nicht, daß der eine Gott-Vater dem einen Herrn Christus das Gott-sein abstreite. Wenn nämlich deswegen, daß es einen Gott gibt, nicht auch für Christus das Gott-sein als eigentümlich erscheint, so muß man deswegen, daß es einen Herrn Christus gibt, schließen, Gott komme das Herr-sein nicht rechtmäßig zu, (dann nämlich,) wenn das Eins-sein nicht eine Kennzeichnung für das Geheimnis, sondern die Ausschließlichkeit (zahlenmäßiger) Einheit bedeutet.

Es gibt also eine Taufe und auch einen Glauben, wie an einen Gott-Vater, so auch an einen Herrn.

1: Eph. 4, 4―6.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger