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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Elftes Buch

45. Des Apostels Beispiel für das Nachdenken über göttliche Dinge.

Der Apostel weiß übrigens sehr wohl, welcher Art von Worten man zum Bekenntnis Gottes sich zu bedienen habe, wenn er sagt: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Wissenschaft Gottes! Wie [S. 274] unerfaßlich sind seine Gerichte und wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat Gottes Sinn erkannt? Oder wer war sein Ratgeber? Oder wer hat vorher gegeben, und es wird jenem vergolten werden? Denn aus ihm und durch ihn und in ihm besteht alles; ihm sei Herrlichkeit in alle Ewigkeit!”1

Von irdischem Geist wird Gott nicht umschrieben, noch auch wird diese Tiefe seiner Weisheit vom erkennenden Sinn erreicht, noch auch werden die Bestimmungen seiner Entschlüsse vom forschenden Geist erfaßt, noch auch geben die unerforschlichen Wege seiner Erkenntnis sich aufdringlichem Bemühen preis. In eine Tiefe, die (nur für Gott) erfaßbar bleibt, ist sein ganzer Besitz versenkt; und nichts findet man von seinem Eigentum, nichts erlangt man. Denn seinen Sinn hat niemand erkannt, und eines von außen kommenden Rates hat er nicht bedurft.

Aber (nur) von uns gilt diese ganze Darlegung, nicht auch von demjenigen, durch den alles sein Dasein hat, der des großen Ratschlusses Bote ist,2 der auch dies sagt: „Niemand kennt den Sohn, es sei denn der Vater, noch auch kennt jemand den Vater, es sei denn der Sohn, und wem der Sohn es hat offenbaren wollen.”3 Wir aber, die wir uns in den Abgrund der Bestimmung und Umschreibung des göttlichen Wesens hinabstürzen wollen, wir haben uns gegen unseren schwachen Geist des Bekenntnisses apostolischer Bekundung zu bedienen, damit nicht vorwitzige Meinung hinsichtlich Gottes sich etwas anmaße, was außerhalb der Lehre liegt.

1: Röm. 11, 33―36.
2: Vgl. Is. 9, 6; 11, 2.
3: Matth. 11, 27.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger