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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Elftes Buch

24. Schlimmer Sinn soll sich nicht scheuen, nach erkannter Wahrheit seine Meinung zu ändern.

[S. 254] Wenn wir etwa wegen der Irrtumsfähigkeit menschlichen Seins etwas Voreingenommenes im Geist festhalten, so wollen wir doch nicht einen Erkenntnisfortschritt durch gnadenhafte Offenbarung zurückweisen. Wenn wir etwas einmal eingesehen haben, so soll uns das nicht dazu vermögen, uns davor zu schämen, durch eine (Erkenntnis-) änderung etwas richtiger zu erfassen. Um das klug und überlegt einzuschärfen, hat derselbe selige Apostel auch dies an die Philipper geschrieben: „Wir alle, die unter uns vollkommen sind, wollen so denken; und wenn ihr über etwas anders denkt, so wird Gott euch auch das offenbaren. Nun wollen wir in dem, was wir erreicht haben, auch bleiben.”1 Frühere Denkweise nimmt nicht vorein gegenüber der Offenbarung Gottes. Denn der Apostel hat mahnend dargelegt, was diejenigen wissen sollen, die vollkommenes Wissen besitzen; und für diejenigen, die anders denken, erwartet er die Offenbarung Gottes, damit sie das vollkommene Wissen sich aneignen.

Wenn also einige diese tiefe Fügung verborgenen Wissens anders erkannt haben und von uns etwas Richtiges und Annehmbares beigebracht wird, dann mögen sie sich gemäß der Mahnung des Apostels nicht scheuen, vermöge der Offenbarung Gottes vollkommenes Wissen zu gewinnen! Mögen sie es nicht vorziehen, über die Wahrheit in Unkenntnis zu sein, wie sie es hassen, im Falschen zu verharren! Diejenigen nämlich, die anders denken und denen Gott es geoffenbart hat, mahnt er, dahin zu eilen, worin sie gewandelt sind, damit sie die Meinung des ersten Nichtwissens beiseite ließen und gemäß dem Beginn des vorgenommenen Eilens die Offenbarung der vollkommenen Erkenntnis gewännen.

[S. 255] Bemühen wir uns also, in dem zu verweilen, wohin wir schon geeilt sind! Wenn vielleicht der Irrtum eines falschen Weges unser Eilen zum Verweilen zwingt, so wollen wir vermöge der Offenbarung Gottes dahin wieder einbiegen, wohin wir geeilt sind, und die Richtung unseres Eilens nicht abändern. Wir sind nämlich hingeeilt zu Christus, dem Herrn der Herrlichkeit und dem König aller Ewigkeiten,2 in dem alles erneuert wurde3 im Himmel und auf Erden, in dem alles besteht, in dem und mit dem wir immer bleiben werden. Wenn wir also darin wandeln, haben wir darin vollkommenes Wissen; und wenn wir etwas in anderer Weise wissen, so wird Gott uns vollkommenes Wissen offenbaren.

Wir wollen also gemäß dem Glauben des Apostels das Geheimnis der vorliegenden Worte darstellen und in derselben Weise, wie bisher alles von uns behandelt wurde, um jegliche Deutung falschgläubiger Absicht, die unter dem Vorwand von Apostelworten doch nur vorgefaßte Meinung ist, aus eben dieser Wahrheit des Glaubens des Apostels ans rechte Licht zu stellen.

1: Phil. 3, 15 f.
2: 1 Tim. 1, 17.
3: Kol. 3, 10.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger