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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Elftes Buch

16. Gott ist in eigentümlichem und in gewöhnlichem Sinne Christi Vater.

Weil er aber unser vollständiges Wesen auf Grund der Leibesannahme in sich umschloß, war er zwar, was wir sind, hatte aber doch nicht dasjenige Dasein aufgegeben, in dem er fortgedauert hatte. Denn damals hatte er auf Grund der Geburt, jetzt auf Grund der Setzung (der Menschwerdung) Gott zum Vater. Jetzt auf Grund der Bildung, weil alles aus Gott-Vater stammt. Vater ist Gott nämlich für alle, da alles aus ihm und in ihm sein Dasein hat. Für den eingeborenen Gott ist er aber nicht nur daraufhin Vater, daß das Wort Fleisch geworden ist; Vater ist er nämlich (auch) im Hinblick darauf, daß das Gott-Wort im Anfang bei Gott war.1 Wenn aber auch das Wort Fleisch geworden ist,2 so ist er (Gott-Vater) der Vater sowohl bei der Geburt des Gott-Wortes als bei der Bildung des Leibes. Gott ist nämlich der Vater allen Leibes, aber nicht in dem Sinne, wie er für das Gott-Wort Vater ist. Das Gott-Wort hat aber (in seinem Menschenleib) nicht aufgehört, Gott zu sein, noch auch hat ihm das Leib-sein ermangelt. Denn es ist nicht der Fall, daß das Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat,3 während seines Wohnens (unter uns) nicht in Wahrheit Wort ist und daß der Mensch während seines Leib-seins nicht in Wahrheit Gott ist; kommt doch das Wohnen notwendig nur demjenigen zu, der bleibt; und auch das Fleischwerden [S. 246] kommt ersichtlich nur demjenigen zu, der geboren wird. Sein Wohnen unter uns ist eben die Annahme des Fleisches; denn dadurch, daß das fleischgewordene Wort unter uns wohnt, hat Gott Dasein in der Wirklichkeit unseres Leibes.

Wenn also der Mensch Christus Jesus gemäß seiner Leiblichkeit dem Gott-Wort das (gottgemäße) Leben nimmt oder wenn das Gott-Wort nicht gemäß rechtgläubigem Geheimnis der Mensch Christus Jesus ist, dann mag es für sein Wesen schmachvoll sein, daß für ihn in demselben Sinne wie für uns der Vater Vater und Gott Gott ist. Wenn aber das Gott-Wort als der Mensch Christus Jesus das Sein als Gott-Wort nicht aufgegeben hat, dann kommt uns und ihm die Gemeinsamkeit des Vaters und des Gottes nur auf Grund desjenigen Wesens zu, auf das hin er Bruder ist. Denn dieses Wort „Ich steige zu meinem Vater und zu eurem Vater hinauf, zu meinem Gott und zu eurem Gott” ist den Brüdern nicht etwa deswegen kundgetan worden, weil der eingeborene Gott das Wort ist, sondern deswegen, weil das Wort Fleisch geworden ist.

1: Vgl. Joh. 1, 2.
2: Vgl. Joh. 1, 14.
3: Joh. 1, 14.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger