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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Elftes Buch

2. Einen Glauben gibt es nicht bei denen, die hinsichtlich ihrer Meinung über Christus entzweit sind.

Ein Glaube ist es aber schon nicht mehr, wenn er nicht an einen Herrn und an einen Gott-Vater in bewußtem Bekenntnis festhält. Wie aber bekennt ein Glaube, der nicht einer ist, einen Herrn und einen Gott-Vater? Eins aber wird er bei so großer Lehrverschiedenheit nicht mehr sein, wenn irgendeiner glaubt, [S. 231] der Herr Jesus Christus habe beim Durchdringen des Nagels durch die Hände im Schmerz uns gleichartiger Schwachheit aufgeseufzt, und er habe unter dem Entbehren der Kraft seines Wesens und seiner Macht schreckhafte Furcht vor dem Tode gehabt, der ihm schon drohte; wenn er außerdem, was die Hauptsache ist, die (ewige) Geburt leugnet und vielmehr seine Geschöpflichkeit lehrt; wenn er die Gottheit mehr dem Wort nach aussagt als wirklich einsieht, da es rechtgläubig ist, von „Göttern” zu sprechen, und die Erkenntnis als Gott1 ein Wissen um göttliches Wesen ist.

Es gibt also vollends nicht mehr einen Herrn Christus, wenn er in der Meinung des einen als Gott keinen Schmerz erleidet, in der eines anderen aus Schwachheit sich fürchtet; wenn er in der Meinung des einen dem Wesen, in der eines anderen dem Namen nach Gott ist; wenn er endlich in der Meinung des einen der Zeugung nach, in der eines anderen der Benennung nach Sohn ist. Demgemäß gibt es im Glauben auch nicht einen Gott-Vater, wenn man in der Meinung der einen2 der Macht nach, in der der anderen3 der Zeugung nach an seine Vaterschaft glaubt, da Gott doch für alles Vater ist.4

Wer vollends zweifelt fernerhin daran, daß außerhalb des Glaubens sei, was außerhalb des einen Glaubens ist? Denn in dem einen Glauben gibt es einen Herrn Christus und einen Gott-Vater. Der eine Herr Christus ist aber nicht dem Namen, sondern dem Glauben nach ein Sohn; aber nur dann, wenn er Gott ist, wenn er unveränderlich ist, wenn ihm nicht irgendwann einmal die Göttlichkeit oder Sohnschaft gemangelt hat.

Wer also Christum anders verkündet, als er ist, d. h. weder seine Sohnschaft noch seine Göttlichkeit, der [S. 232] verkündet einen anderen Christus. Aber er befindet sich auch nicht innerhalb des einen Glaubens an die eine Taufe. Denn gemäß der Lehre des Apostels kommt nur demjenigen der eine Glaube an die eine Taufe zu, für den Christus als der eine Herr sowohl Gottes Sohn als auch Gott ist.

1: die Erkenntnis, daß Christus Gott ist.
2: der Arianer.
3: der Rechtgläubigen.
4: „da Gott doch für alles Vater ist” gehört zu der Meinung der „einen”, die Christus wegen seiner Geschöpflichkeit als mit dem Weltall gleichgestellt behaupten.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger