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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Zehntes Buch

1. Der Grund für die abweichenden Meinungen: hartnäckige Willkür.

[S. 157] Es besteht kein Zweifel darüber, daß jegliche Behauptung menschlichen Sprechens immer dem Widerspruch ausgesetzt gewesen sei, da mit dem Auseinanderstreben der Willensregungen auch das Urteilen der Seelen auseinanderstrebt. Denn unter dem Eindruck gegensätzlicher Urteile widerstreitet es (das Urteilen) denjenigen Behauptungen, durch die es gestoßen wird. Wenn nämlich auch jedes Wort nach Maßgabe der Wahrheit vollkommen ist, so ist dennoch der Ausspruch der Wahrheit der Erwiderung der Gegner ausgesetzt, sofern etwas bei jedermann anders aufgefaßt wird oder Zustimmung findet. Denn gegen die nicht erkannte oder beschwerliche Wahrheit widersetzt sich der Irrtum törichten oder entarteten Wollens. Maßlos ist nämlich jede Hartnäckigkeit übernommener Willenshaltungen; und in ungebeugter Regung beharrt das Streben zum Widerspruch, wo das Wollen nicht der Einsicht unterworfen noch Bemühung um die Lehre aufgewandt wird, sondern wo wir für dasjenige, was wir wollen, die Vernünftigkeit zusammensuchen und die Lehre an das angleichen, worum wir uns bemühen. Die Lehre, die man sich erdichtet, wird vollends mehr eine solche des Namens als des Wesens sein; und es wird nicht die Kenntnis des Wahren, sondern der Willkür Bestand haben, die der Wille zur Verteidigung seiner Launen sich zurechtgelegt [S. 158] hat, die nicht das Drängen des Willens durch die Einsicht vernünftiger Wahrheit anregt.

Durch diese Verfehlungen der eifrig beteiligten Willensregungen erheben sich alle die Einwände der widerstrebenden Absichten. Zwischen der Behauptung des Wahren und der Rechtfertigung des Willkürlich-gewählten wird ein hartnäckiger Kampf ausgefochten, da sowohl die Wahrheit sich behauptet als der Wille sich schützt.

Im übrigen: wenn das Wollen der Einsicht nicht vorausginge, wenn es vielmehr durch die Erkenntnis des Wahren zum Wollen des Wahren angeregt würde, dann würde man niemals die Lehre des Willens suchen, sondern die Einsicht in die Lehre würde jeglichen Willensvollzug anregen, und jegliche Behauptung der Wahrheit würde unwidersprochen bleiben. Denn jeder einzelne würde nicht die Wahrheit dessen vertreten, was er wollte, sondern das zu wollen begonnen haben, was wahr ist.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger