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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Neuntes Buch

1. Ergebnis des vorigen Buches.

[S. 64] Im vorhergehenden Buch haben wir über das nicht-unterschiedene Wesen Gottes des Vaters und Gottes des Sohnes gehandelt. Von dem Wort: „Ich und der Vater sind eins”1 haben wir gezeigt, daß es nicht zur Behauptung eines vereinzelten Gottes dienlich sei, sondern zum Erweis der Einheit einer Gottheit, die vermöge der Zeugung nicht unterschiedlich ist; denn nicht anderswoher als nur aus Gott ist Gott geboren worden; und Gott, aus Gott geboren, vermag nichts anderes zu sein als das, was Gott ist. Wir sind die Zeugnisse der Worte des Herrn und der Apostel durchgegangen, zwar nicht alle, aber genügend viele, um ihre Worte verstehen zu können, in denen das untrennbare Wesen und die untrennbare Macht des Vaters und des Sohnes gelehrt wurde. Dabei sind wir bis zu dieser Stelle der apostolischen Glaubenslehre gekommen: „Seht zu, daß keiner euch verführe durch Weltweisheit und nichtige Täuschung nach Menschenüberlieferung, gemäß den Grundstoffen der Welt und nicht gemäß Christus; denn in ihm wohnt leibhaftig die ganze Fülle der Gottheit.”2

Wir haben dargelegt, daß in ihm vermöge der leibhaftig einwohnenden Fülle der Gottheit ein wahrer und vollkommener Gott, ein Gott väterlichen Wesens3 (als gegenwärtig) bewiesen wird. So zwar, daß man nicht annehmen dürfe, die einwohnende Gottheit bezeichne [S. 65] etwas Verschiedenes noch auch etwas Vereinzeltes; denn die leibhaftige Einwohnung des unkörperlichen Gottes lehrte die Eigentümlichkeit der wesensmäßigen Einheit in demjenigen Gott, der aus Gott Dasein gewonnen hatte; und der in Christus wohnende Gott erwies die Geburt des eigenständigen Christus, da er4 ja in ihm wohnt.

Damit glaube ich der Falschgläubigkeit derjenigen übergenug Erwiderung geleistet zu haben, die auf die Einheit und Zusammenstimmung des Wollens beziehen, was vom Herrn gesagt wurde: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen,”5 und: „Der Vater ist in mir, und ich bin im Vater”6 und: „Ich und der Vater sind eins”7 und: „Alles, was dem Vater eignet, gehört auch mir.”8 Wenn auch der Glaube an das Wort bleiben sollte, so sollte dennoch ein verlogener Glaube mit trügerischen Lehren die Deutung des Wortes verderben; und weil man bei denjenigen das Zusammenstimmen der Willensvermögen nicht abstreiten konnte, von denen die Einheit des Wesens gelehrt wird, so sollte man dennoch nur an die Gemeinschaft ihrer Einhelligkeit glauben, um diejenige Einheit zu zerstören, die durch die Geburt begründet ist. Der selige Apostel lehrt aber nach vielen, völlig eindeutigen Bekundungen der wesensmäßigen Wahrheit, daß in Christus die Fülle der Gottheit leibhaftig innewohne. Damit ist jegliche Behauptung falschgläubiger Verwegenheit abgeschnitten, da die leibhaftige Einwohnung der unkörperlichen Gottheit die wesensmäßige Einheit bewirkt. Dieses, daß der Sohn nicht allein ist, sondern daß in ihm der Vater bleibt, und nicht nur bleibt, sondern wirkt und spricht, und nicht nur wirkt und spricht, sondern auch geschaut wird ― das alles sollten nicht nur Worte, sondern sollte Wahrheit sein. Denn vermöge des Geheimnisses der Geburt hat die Kraft in sich Kraft, die Macht Macht und [S. 66] das Wesen Wesen;9 durch die Geburt besitzt er (der Sohn), was ihm (dem Vater) zu eigen ist, bezieht aber sein Wesen auf ihn zurück, da er des Urhebers Abbild und Wahrheit ist, weil die vollkommene Geburt ein vollkommenes Abbild vermittelt und die leibhaftig einwohnende Fülle der Gottheit10 eine wesensmäßige Wahrheit innehat.

1: Joh. 10, 30.
2: Kol. 2, 8 f.
3: gleichwesentlich mit dem Vater.
4: Gott, d. h. die zweite göttliche Person.
5: Joh. 14, 9.
6: Joh. 10, 38.
7: Joh. 10, 30.
8: Joh. 16, 15.
9: Vater und Sohn sind nach Kraft, Macht, Wesen gleich.
10: Kol. 2, 9.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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