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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

10. Derselbe Christus stirbt, sofern er Mensch ist, erweckt sich wieder zum Leben, sofern er Gott ist.

Die ganze geheimnisvolle Lehre von der Erhöhung des Menschen findet darin ihren Abschluß: „Die ihr in euren Sünden und in der Vorhaut eures Fleisches abgestorben waret, euch hat er mit ihm zum Leben erweckt, indem er euch alle Vergehen erließ, indem er den Schuldbrief der Verwerfungen vernichtete, der wider uns galt, der uns [S. 76] feindlich war; ihn hat er völlig getilgt, indem er ihn (den Brief) ans Kreuz heftete, indem er seines Fleisches beraubt wurde und die Mächte dem Gespötte preisgab, dadurch, daß er über sie in sich (Christus) triumphierte.”1

Den Glauben des Apostels faßt der Weltmensch nicht, die Worte seiner (des Apostels) Sinnesart erklärt nichts anderes als sein eigenes Wort. Gott hat Christus von den Toten auferweckt, den Christus, in dem die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt.2 Uns aber hat er mit ihm zum Leben erweckt, indem er uns die Sünden erließ und den Schuldbrief des Sündengesetzes vernichtete, der durch die früheren Urteilssprüche gegen uns war; indem er diesen hinweggenommen und ans Kreuz geheftet hat, indem er nach dem Gesetz des Todes sich des Fleisches beraubte und die Mächte dem Gespötte preisgegeben hat, dadurch, daß er in sich über sie obsiegte. Daß er in sich die Mächte besiegte und sie dem Gespötte preisgab, daß er den Schuldbrief vernichtete, daß wir zum Leben geweckt wurden, davon haben wir schon früher3 gehandelt.

Wer aber vermag gerade dieses Geheimnis zu erfassen oder auszusprechen? Das Wirken Gottes erweckt Christus von den Toten, und dieses gleiche Wirken Gottes weckt uns mit Christus zum Leben, und dieses gleiche Wirken erläßt die Sünden, vernichtet den Schuldbrief, heftet ihn ans Kreuz; er beraubt sich des Fleisches, er gibt die Mächte dem Gespötte preis, er obsiegt in sich über sie. Da hast du das Wirken Gottes, der Christus von den Toten auferweckt; da hast du auch Christus, der eben dasjenige in sich wirkt, was Gott wirkt. Denn Christus ist gestorben, indem er sich des Fleisches beraubte.

Das also halte fest: daß der Mensch Christus von Gott von den Toten auferweckt wurde; das halte fest: daß Christus als Gott das Wirken unseres Heiles selber vollzog, als er zum Sterben sich bereitete; so, daß Christus sich seines Fleisches beraubte und sterben wollte, obwohl [S. 77] doch Gott das in Christus wirkt, wenn auch nur durch sein 4 Wirken; daß den gestorbenen Christus Gottes Wirken auferweckte, als Christus gestorben war, der doch vor dem Tode als Gott wirkte! Denn derselbe ist es, der Christus von den Toten auferweckte, der vor dem Tode als Christus gewirkt hat, derselbe, der sich des Fleisches beraubte, um zu sterben.

1: Kol. 2, 13―15.
2: Kol. 2, 9.
3: Buch I, 13.
4: Christi als Gott.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger