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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

8. Die Gläubigen sind in Christus gotterfüllt.

Dieses Geheimnisses war sich der Apostel also bewußt; er hatte ja durch den Herrn selbst das Wissen des Glaubens1 empfangen. Da er wohl wußte, daß die Welt und die Menschen und die Weltweisheit es nicht fassen würden, deswegen sagte er: „Seht zu, daß keiner euch verführe durch Weltweisheit und nichtige Täuschung gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundstoffen der Welt, und nicht gemäß Jesus Christus; denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und in ihm seid ihr erfüllt, weil er das Haupt aller Herrschaft und Macht ist.”2

Er lehrt also ausdrücklich, daß die Fülle der Gottheit in ihm leibhaftig wohnt, und schließt daran unmittelbar das Geheimnis unserer Annahme an, mit seinem Wort: „In ihm seid ihr erfüllt.” Wie in ihm nämlich die Fülle der Gottheit ist, so sind wir in ihm erfüllt.3 Er sagt auch [S. 74] durchaus nicht: ihr seid erfüllt, sondern: in ihm seid ihr erfüllt, weil alle diejenigen jetzt in Christi Leibe bleiben, die durch die Hoffnung auf den Glauben zum ewigen Leben wiedergeboren sind und wiedergeboren werden sollen. In sich selbst sollen sie später erfüllt werden, nicht nur in ihm, sondern in sich selbst,4 in jener Zeit, von der der Apostel sagt: „Er wird den Leib unserer Niedrigkeit umgestalten, gleichgestaltet dem Leibe seiner Herrlichkeit.”5

Jetzt sind wir also in ihm erfüllt, d. h. durch die Annahme des Fleisches durch denjenigen, in dem die Fülle der Gottheit leibhaftig innewohnt. Die Kraft dieser unserer Hoffnung ist in ihm nicht gering. Denn daß wir in ihm erfüllt sind, das ist Vorrang und Ursprung aller Macht, gemäß seinem Wort: „daß in seinem Namen jedes Knie sich beuge, der Himmlischen, der Irdischen, der Unterweltlichen, damit jede Zunge bekenne, daß der Herr Jesus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters ist.”6

Das Bekenntnis wird also dieses sein: daß „Jesus in der Herrlichkeit des Vaters ist” und auch nach seiner Geburt in Menschengestalt nicht in der Schwachheit unserer Leiblichkeit, sondern für immer in der Herrlichkeit Gottes ist. Das wird jede Zunge bekennen. Und wenn die Himmlischen und Irdischen die Knie beugen, ist das der Vorrang aller Herrschaft und Macht, daß ihm alles in der Erweisung des Kniebeugens unterworfen ist; ihm, in dem wir erfüllt sind; von dem man bekennen muß, daß er in der Herrlichkeit Gott-Vaters ist, weil die Fülle der Gottheit leibhaftig in ihm wohnt.

1: Vgl. Gal. 1, 12.
2: Kol. 2, 8―10.
3: eben durch die Eingliederung Christi in den leiblich-geistigen Zusammenhang des Menschengeschlechtes.
4: Man kann die „Erfüllung in ihm” als die Grundlegung, die „Erfüllung in sich” als die Auswirkung bezeichnen.
5: Phil. 3, 21.
6: Phil. 2, 10 f.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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