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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

70. Die Worte über die Einheit des Wesens verdrehen die Irrlehrer in böswilliger Weise zur Einheit des Wollens.

[S. 149] Weil also die Irrlehrer nicht zu leugnen vermögen, was zur Kennzeichnung des Geheimnisses der Geburt vom Herrn ausdrücklich gelehrt wurde, so versuchen sie es dadurch unwirksam zu machen, daß sie es auf die Einhelligkeit des Wollens beziehen, damit also in Gott-Vater und in Gott-Sohn nicht die Einheit der Göttlichkeit sei, sondern des Wollens. Sein Wort soll sozusagen göttlicher Lehre unmächtig sein; entweder habe es der Herr nicht aussprechen dürfen: „Ich und der Vater wollen eines”, oder es habe eben diesen Sinn: „Ich und der Vater sind eins.” Oder aus Unkenntnis der Ausdrucksformen habe er nicht gesagt: „Wer meinen Willen gesehen hat, der hat auch den Willen meines Vaters gesehen”, und eben dies bedeute: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.” Oder es sei gewiß nicht göttlicher Sprachgebrauch gewesen: „Der Wille meines Vaters ist in mir, und mein Wille ist im Vater”, sondern die angemessene Form dieses Wortes sei: „Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir.”1

Das alles ist zwar schmählich und unsachlich und falschgläubig; und Menschensinn pflichtet dieser Ansicht törichten Meinens nicht bei, der Herr habe entweder nicht sprechen können, was er wollte, oder er habe anders gesprochen, als er gesprochen habe. Zwar findet man, daß er sich der Sprechweise der Parabeln und Allegorien bedient hat; aber ein anderes ist es, entweder durch Beispiele die Worte zu stützen oder der Erhabenheit der Dinge durch hinweisende Gleichnisse Genüge zu tun oder der Ausdrucksweise der Zeit sich anzugleichen. Doch die hier eben behandelte Stelle der Einheit läßt es nicht zu, den Worten etwas anderes zu entnehmen, als sie ausdrücken.

[S. 150] Wenn sie deswegen nämlich eines sind, weil sie eines wollen; wenn aber trennbare Wesen eines nicht wollen können, die wegen der Verschiedenheit des auseinanderklaffenden Wesens notwendig zu verschiedenen Willensentschlüssen durch die Verschiedenheit des Wesens auseinanderklaffen: wie können da diejenigen eines wollen, die kein einheitliches Wissen besitzen, da doch Wissen und Nichtwissen die Einheit eines Willens hindern? Da also dem Wissen das Nichtwissen entgegengesetzt ist, so kann Entgegengesetztes nicht eines wollen.

1: Joh. 14, 11.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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