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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

69. Christi Gleichheit mit dem Vater, nach der Lehre der Schrift.

Wenn es einer wagen sollte, von dem eingeborenen Gott das nicht nur mit verwegenem Munde auszusprechen, sondern sogar mit falschgläubigem Herzen zu denken, der möge zur Kenntnis nehmen, was der Apostel in dem Schreiben an die Korinther als seinen Glauben über den Heiligen Geist bekannt hat: „Uns aber hat Gott durch seinen Geist Offenbarung geschenkt. Der Geist nämlich durchforscht alles, auch die Tiefen der Gottheit. Wer nämlich von den Menschen weiß, was des [S. 148] Menschen, was in ihm ist, als nur der Geist, der in ihm ist? So auch kennt niemand, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes.”1

Doch diese nichtssagenden Beispiele körperhafter Dinge wollen wir beiseitelassen und Gott(es Zeugnis) über Gott, des Geist(es Zeugnis) über den Geist erwägen, und mehr nach seiner machtvollen Betätigung als nach irdischen Rücksichten! Erwägen wollen wir aber nicht nach unserer Denkweise, sondern nach der Bekundung Gottes; und wir wollen demjenigen glauben, der da spricht: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.”2 Wir wollen auch denjenigen nicht übersehen, der gesagt hat: „Glaubt wenigstens meinen Werken, weil der Vater in mir ist und ich im Vater bin!”3 Wir wollen auch denjenigen nicht übersehen, der gesprochen hat: „Ich und der Vater sind eins.”4

Wenn nämlich die Namen, die gemäß unserer menschlichen Erkenntniskraft gebildet sind, unsere Erfahrungsmöglichkeit bestätigen, so besitzt jemand keinen Wesensunterschied im Vergleich zu demjenigen, in dem er (als seiend) durch die Erkenntnis erschaut wird; noch auch unterscheidet sich artmäßig, wer den Immerseienden in sich besitzt und dem Immerseienden inne ist; noch auch sind diejenigen verschieden, die eins sind. Erkenne die Einheit, da das Wesen nicht geteilt ist!

Anderseits aber erfasse das Geheimnis des ungeteilten Wesens, da sozusagen der eine der Spiegel des anderen ist. Spiegel aber in der Weise, daß nicht das Strahlen ein vorgestelltes Bild eines außerhalb befindlichen Wesens aussendet, sondern insofern, als das lebende Wesen (der Sohn) von dem lebenden Wesen (dem Vater) nicht unterschieden ist, da es in seiner Ganzheit aus der Ganzheit stammt, das vermöge des Eingeborenseins den Vater in sich besitzt und vermöge des Gottseins im Vater bleibt.

1: 1 Kor. 2, 10 f.
2: Joh. 14, 9.
3: Joh. 10, 38.
4: Joh. 10, 30.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger