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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

67. Christi Nichtwissen ― Rücksicht auf uns.

Es gilt also zu erkennen, warum er sein Nichtkennen des (Gerichts-) tages eingestanden hat. Wenn man von ihm überhaupt ein Nichtkennen annimmt, so widerspricht der Apostel in dieser Weise: „in dem alle Schätze der Weisheit und des Erkennens verborgen sind”.1 Seine Kenntnis ist also verborgen, die zuweilen auch als Nichtkenntnis zubezeichnet ist, weil sie verborgen werden soll, eben um verborgen sein zu können. Denn wenn sie [S. 146] frei bekundet wird, dann vollends ist sie nicht verborgen. Er streitet also ein Wissen ab, damit das Wissen verborgen bleiben könne. Wenn er also deswegen nicht weiß, damit das Wissen verborgen bleibe, so ist der Allwissende nicht wesensmäßig ohne Wissen, weil er nur deswegen nicht weiß, damit sein Wissen verborgen sei.

Weshalb aber das Wissen des (Gerichts-) tages verborgen sei, das ist nicht in Dunkelheit (gehüllt). Denn durch seine Mahnung, mit beharrlichem Glauben immer wachsam zu bleiben, hat er die Sicherheit wohlbegrenzter Erkenntnis weggenommen, damit der Geist, in der Ungewißheit der schwebenden Erwartung angespannt, in dem Hineilen und steten Warten auf den Tag der Ankunft durch sein Warten immer hoffe; damit er die Sorge und den stets wachsamen Menschen selbst in Ungewißheit festhalte, aber ohne Zweifel daran, daß die Zeit dennoch kommen werde. So nämlich spricht der Herr: „Seid darum auch ihr bereit, weil ihr nicht wißt, zu welcher Stunde der Menschensohn kommen wird!”2 Und wiederum: „Selig jener Knecht, den dessen Herr bei seinem Kommen bei solchem Tun antrifft!”3

Das Nichtwissen war nicht des Irrtums wegen notwendig, sondern wegen der Beharrlichkeit. Diese Verweigerung schlägt auch nicht zum Schaden aus, weil das Nichtwissen ein Wachsen gewährt, damit nicht die Sicherheit des Wissens eine Nachlässigkeit zur Nichtbetätigung des Glaubens wecke, sondern die unbestimmte Erwartung eine beharrliche Vorbereitung festhalte. Sie soll jetzt vor dem Kommen des Diebes auf der Hut sein, das man immer befürchten müsse, weil jener die Zeit des Schlafes zum Diebstahl wählt, der Hausvater aber aus steter Befürchtung vor Schaden auf der Hut ist.

1: Kol. 2, 3.
2: Matth. 24, 44.
3: Matth. 24, 46.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger