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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

65. Die Erkenntnis Christi und die Würdigkeit der Erkannten.

In den Evangelien aber finden wir, daß der Herr vieles wisse und doch nicht wisse. Die Übeltäter der Sünde, die vieler kraftvoller Taten und seines Namens sich rühmten, hat er nicht gekannt: „Und dann werde ich schwören, daß ich euch nicht kenne. Weichet von mir alle, die ihr Sünde tut!”1 Sogar mit einem Schwur kennt er sie nicht, die er dennoch sehr wohl als Übeltäter der Sünde kennt. Er kennt (sie) also nicht, aber nicht deswegen, weil er (sie) nicht kennt, sondern weil sie wegen ihrer sündhaften Betätigung unwürdig sind, von ihm erkannt zu werden. Indem er die Verläßlichkeit des Wortes durch die Bindung eines Schwures bekräftigt, hat er in der Kraft seines Wesens eine sehr genaue Kenntnis und behält das Nichtkennen in dem Geheimnis seines Willens.

Der eingeborene Gott kennt ferner nicht die törichten Jungfrauen; sie, die um die Beschaffung des Öles sich nicht gesorgt hatten, kennt er nicht nach dem Einzug seiner herrlichen Ankunft in das Brautgemach. Denn sie kommen heran und bitten und bleiben so sehr nicht ungekannt, daß ihnen die Antwort zuteil wird: „Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht!”2 Denn sowohl das Entgegeneilen als das Bitten läßt ihr Unbekanntsein nicht zu. Das Erwidern des Nichtwissens kommt nicht dem Wesen als vielmehr dem Willen zu, da sie es nicht wert sind, von demjenigen gekannt zu werden, für den es nichts gibt, das er nicht kennt.

Damit er endlich nicht in die Meinung komme, aus Schwäche ein Nichtwissen zu haben, hat er gleich im [S. 144] Anschluß daran zu den Aposteln so gesprochen: „Wachet also, denn ihr wißt nicht den Tag noch die Stunde!”3 Dadurch, daß er sie wegen des Nichtwissens des Tages und der Stunde zur Wachsamkeit mahnt, sollte erkannt werden, daß die Jungfrauen deswegen nicht von ihm gekannt würden, weil sie wegen ihrer Schläfrigkeit und Nachlässigkeit und wegen des dadurch verschuldeten Mangels an Öl des Zuganges zu seinem Brautgemach nicht würdig waren.

1: Matth. 7, 23.
2: Matth. 25, 12.
3: Matth. 25, 13.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger