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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

41. Wechselseitigkeit der Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes.

Weil im Menschensohn, der zugleich Gottes Sohn ist, Gott verherrlicht worden ist, deswegen wollen wir auf den Sinn dessen hinsehen, was an dritter Stelle hinzugefügt wurde: „Wenn Gott in ihm verherrlicht worden ist, dann hat Gott ihn auch in sich verherrlicht.”

[S. 113] Ich frage: was für ein verborgenes Geheimnis ist das? Gott verherrlicht denjenigen Gott in sich, der im Menschensohn verherrlicht wurde. Im Menschensohn gründet die Herrlichkeit Gottes, und die Herrlichkeit Gottes in der Herrlichkeit des Menschensohnes. Gott verherrlicht (ihn) in sich (in Gott). Der Mensch wird doch gewiß nicht durch sich verherrlicht. Anderseits aber ist derjenige Gott, der im Menschensohn verherrlicht wird, dennoch nichts anderes als Gott, wenn er auch die Herrlichkeit hinnimmt. Weil jedoch durch die Verherrlichung des Menschensohnes derjenige Gott, der einen Gott verherrlicht, in sich selbst die Herrlichkeit bewirkt, so finde ich, daß die Herrlichkeit des Wesens (= Gottvaters) (vom Sohn) angenommen werde, (und zwar) zur Verherrlichung für dasjenige Wesen (den Vater), das das Wesen (den Sohn) verherrlicht. Gott verherrlicht nämlich nicht sich, sondern den im Menschen verherrlichten Gott verherrlicht er in sich. Dadurch aber, daß er in sich verherrlicht und trotzdem nicht sich verherrlicht, nimmt er durch die Verherrlichung das Wesen (der anderen Person) in die Herrlichkeit seines eigenen Wesens auf. Weil derjenige Gott, der Gott verherrlicht, im Menschen verherrlicht worden ist, und weil er die Verherrlichung in sich wirkt, dadurch beweist er, daß derjenige Gott in ihm innesei, den er als Gott verherrlicht hat, da er ihn eben in sich verherrlicht.

Jetzt, Irrlehrer, wer immer du bist, bringe die unentwirrbaren Fragereien deiner vielgewundenen Lehre! Wenn sie sich auch mit ihren Knoten verschlingen, so sollen sie doch in keinem (noch so großen) Gewirre die Beschwerlichkeit eines Hängenbleibens bewirken. Der Menschensohn wird nämlich verherrlicht, und in ihm wird Gott verherrlicht; und Gott hat denjenigen in sich verherrlicht, der im Menschen verherrlicht wurde. Daß der Menschensohn verherrlicht werde, ist nämlich nicht dasselbe wie dieses, daß im Menschensohn auch Gott [S. 114] verherrlicht werde, oder dieses, daß er den im Menschen verherrlichten Gott in sich verherrliche.

Sag’ das einmal nach der Meinung deiner Falschgläubigkeit, wie du (verstanden wissen) willst, daß im Menschensohn Gott verherrlicht werde! Auf jeden Fall muß es doch entweder Christus sein, der im Fleisch verherrlicht wird, oder der Vater, der in Christus verherrlicht werden soll. Wenn es Christus ist, dann ist gewiß Christus derjenige Gott, der im Fleisch verherrlicht wird. Wenn es der Vater ist, dann liegt das Geheimnis der Einheit vor, da der Vater im Sohn verherrlicht wird. Entweder sprichst du durch das Bekenntnis Christi auch seine Gottheit aus, selbst wenn du es nicht willst, oder durch die Erkenntnis der Gottheit des Vaters kannst du in Christus das Wesen Gottes des Vaters nicht abstreiten.

Das mögen genug Worte sein hinsichtlich der Verherrlichung des Menschensohnes und des in ihm verherrlichten Gottes. Was aber dies betrifft, daß Gott in sich den im Menschensohn verherrlichten Gott verherrliche: worin glaubst du dir noch eine Möglichkeit gelassen, deine Falschgläubigkeit auszuklauben, damit Christus nicht in der Wirklichkeit des Wesens wahrer Gott sei? In sich nämlich verherrlicht Gott den menschgewordenen Christus; ist etwa außerhalb seiner, was er in sich verherrlicht? In sich gibt er nämlich Christus die Herrlichkeit zurück, die er bei ihm gehabt hat. Durch die Annahme der Knechtesgestalt in die Gestalt Gottes hinein wird derjenige im Menschen verherrlichte Gott in ihm (dem Vater) verherrlicht, der vor der Heilsfügung der Erniedrigung in ihm war und durch die Gestalt des Knechtes sowie durch die wesenhafte Geburt (aus Gott) geeint ist (als gottmenschliche Person).

Die (ewige) Geburt hatte nämlich nicht einen Gott gebildet, der ein neues oder anderes Wesen besäße; der wesensmäßige Sohn hatte vielmehr für den Vater durch eine wesensmäßige Geburt sein Dasein gewonnen. Wenn [S. 115] nach der Geburt als Mensch derjenige, der im Menschen verherrlicht wurde, wiederum zu der Herrlichkeit seines Wesens erstrahlt, so verherrlicht Gott ihn in sich (Gott), da er in die Herrlichkeit des väterlichen Wesens aufgenommen wird, dessen er sich durch die Heilsordnung entäußert hatte.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger