Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

40. Christus erbat die Herrlichkeit für das Fleisch, nicht für das „Wort”.

Das ist aber nicht ein neuer Ausspruch des Herrn und jetzt auch nicht zum erstenmal in den Lehren der Evangelien verzeichnet. Eben dieses Geheimnis von der Verherrlichung des Sohnes bei Gott dem Vater selbst hatte er damals durch jene überaus schöne, frohe Bekundung seiner Hoffnung bezeugt, als Judas zur Betätigung seines Verrates hinausging, als er in der Freude über die nahe Vollziehung seiner Aufgabe in hoher Begeisterung sprach: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, dann hat Gott ihn auch in sich (= Gott) verherrlicht, und Gott hat ihn schon gleich zu Beginn verherrlicht.”1

Was blähen wir uns auf bis zum Urteil über das göttliche Selbstzeugnis, wir, die Seele beschwert mit erdhaftem Körper, den Geist faulend und beschmutzt wegen des sündebefleckten Gewissens? Was halten wir uns ― es ist heller Aufruhr ― für Sachkenner des himmlischen [S. 112] Wesens und streiten mit den ehrfurchtslosen Klaubereien unserer Schmähsucht wider Gott?

Mit aller nur möglichen Schlichtheit im Wort hat der Herr nämlich den Glauben der Evangelien ausgesprochen und seine Aussprüche soweit unserer Erkenntniskraft angeglichen, als es die Schwachheit unseres Wesens zu tragen vermöchte; aber doch nicht so, daß er irgend etwas spräche, was der Erhabenheit seines Wesens weniger würdig wäre.

Und zwar halte ich für die erste, völlig eindeutige, ausdrückliche Meinung seines Wortes diese, daß er sagt: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht.” Alle Herrlichkeit wurde nämlich nicht für das Wort, sondern für das Fleisch erworben, d. h. nicht dem Sohne Gottes, sondern dem Träger des geborenen Menschtums. Nun frage ich aber, was das darauf Folgende bedeute: „und Gott ist in ihm verherrlicht worden”. Das vernehme ich nämlich, daß Gott in ihm verherrlicht worden sei; und was das, Irrlehrer, nach deiner Auffassung bedeute, das weiß ich nicht. Gott ist in ihm verherrlicht worden, im Menschensohn nämlich, und ich frage, ob der Menschensohn derselbe sei wie der Gottessohn. Da aber der Menschensohn kein anderer ist als der Gottessohn ― das Wort ist nämlich Fleisch geworden2 ― und da der Gottessohn zugleich auch der Menschensohn ist, so frage ich danach, wer denn als Gott in demjenigen Menschensohn verherrlicht worden ist, der auch Gottessohn ist.

1: Joh. 13, 31 f.
2: Joh. 1, 14.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
Bilder Vorlage

Navigation
. Erstes Buch
. Zweites Buch
. Drittes Buch
. Viertes Buch
. Fünftes Buch
. Sechstes Buch
. Siebtes Buch
. Achtes Buch
. Neuntes Buch
. . Mehr
. . 32. Der Sohn ist vom ...
. . 33. Die wahre Gottheit ...
. . 34. Es ist kein Widers...
. . 35. Christus ist nicht ...
. . 36. Aus der wahren ...
. . 37. Die Einheit des ...
. . 38. Die Einheit mit ...
. . 39. Die Herrlichkeit ...
. . 40. Christus erbat ...
. . 41. Wechselseitigkeit ...
. . 42. Die Herrlichkeit ...
. . 43. Dritter Einwand ...
. . 44. Der Vorwurf der ...
. . 45. Die Wesensgleichheit ...
. . 46. Zusammenfassung.
. . 47. Der Sinn von Joh. ...
. . 48. Festlegung des ...
. . Mehr
. Zehntes Buch
. Elftes Buch
. Zwölftes Buch

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger