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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

38. Die Einheit mit dem väterlichen Wesen ist Christus als dem Menschen versagt. Sie wird ihm durch die Verherrlichung zuteil.

Dadurch, daß Christus auf Grund der Heilsfügung der Fleischesannahme und wegen des Gehorsams, durch den er sich aus Gottes Gestalt erniedrigte, als Mensch geboren worden war, hatte er ein neues Wesen angenommen, nicht unter Verlust seiner Kraft und seines Wesens, sondern unter Änderung seiner Seinsweise. Indem er sich also aus Gottes Gestalt erniedrigte, hatte er in seiner Geburt die Gestalt eines Knechtes angenommen. Aber diese Fleischesannahme hatte er nicht mit demjenigen Wesen des Vaters durchgemacht, durch das ihm wesensmäßige Einheit (mit dem Vater) zukam; und wenn er auch in der Kraft seines Wesens verblieb, so hatte doch die in der Zeit vollzogene Neuerung zugleich mit der Gestalt Gottes auch die Einheit mit dem Wesen Gottes gemäß der Menschheitsannahme verloren.1

Aber der Kern dieses Vollzuges war, daß jetzt der ganze Sohn, als Mensch nämlich und als Gott, durch die Huld des väterlichen Willens in der Einheit mit dem väterlichen Wesen blieb und daß auch in der [S. 109] Wesensart blieb, wer in der Wesenskraft blieb. Das nämlich wurde dem Menschen erworben, daß er Gott sei. Der angenommene Mensch konnte aber in keiner Weise in der Einheit mit Gott bleiben, wenn er nicht wesensgemäß durch die Einheit zugleich zu der Einheit mit Gott gelangte, so daß also deswegen auch das fleischgewordene Wort in Gottes Wesen sei, weil das Wort als Gott in Gottes Wesen war. So sollte Jesus Christus als Mensch in der Herrlichkeit Gottes des Vaters bleiben, wenn das Fleisch mit der Herrlichkeit des Wortes zur Einheit gekommen war; und es sollte das fleischgewordene Wort mit Rücksicht auf seine Menschheit dann in die Einheit mit dem väterlichen Wesen zurückkehren, wenn das angenommene Fleisch den Besitz der Herrlichkeit des Wortes gewonnen habe. Es galt also dieses, daß der Vater (dem Sohn) die Einheit mit sich (dem Vater) zurückgebe, damit der Sohn seines Wesens für dauernd zu ihm zurückkehre, um zur Verherrlichung zu gelangen. Denn diese neue Fügung (der Menschwerdung) hatte ein Mißverstehen in die Einheit hineingetragen; und die Einheit konnte jetzt nicht so vollkommen sein, wie sie vorher gewesen war, wenn nicht bei ihm die Fleischesannahme2 verherrlicht war.

1: dadurch nämlich, daß die angenommene Menschheit noch nicht die volle Verherrlichung besaß, die ihr erst mit der Himmelfahrt zuteil wurde.
2: das angenommene Fleisch.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger