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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

35. Christus ist nicht von anderer Wesensart als Gott.

Was für ein Wesen nun, frage ich, soll man nach deiner Glaubensforderung in der Einbildung deiner Torheit, du Irrlehrer, Christus zuschreiben; dem Christus, der das ewige Leben gewährt;1 der dadurch den Vater geehrt hat, daß er vom Vater geehrt werden soll;2 der die Welt besiegt hat;3 der trotz einsamer Verlassenheit nicht einsam ist, sondern den Vater bei sich hat;4 der von Gott ausgegangen und vom Vater gekommen ist?5 Was an Wesen und Wirklichkeit willst du demjenigen zuerkennen, der mit solchen Machterweisen Gottes geboren wurde? Nutzlos glauben wir nämlich an den Vater als an den alleinigen wahren Gott, wenn wir nicht auch an seinen Gesandten Jesus Christus glauben.

Was zögerst du? Lehre, was als Christi Wesen zu bekennen sei! Denn wenn du nicht wahr haben willst, was geschrieben steht: was bleibt dir da übrig als zu glauben, was nicht geschrieben steht? Unseliger Eigensinn, der Wahrheit widerstrebende Falschheit! Wenn in Glauben und Bekenntnis Christus mit dem Vater als dem wahren Gott geeint ist, so frage ich, in was für einem Glauben seine wahre Gottheit geleugnet und seine Geschöpflichkeit behauptet werden soll, da es doch überhaupt gar kein Glaube ist, an den alleinigen wahren Gott ohne auch an Christus geglaubt zu haben. Aber an dich, Irrlehrer, kommt der Sinn der himmlischen Worte gar nicht heran, der du zu eng und für den göttlichen Geist nicht aufnahmefähig bist; weil [S. 106] du aber von Schlangenirrtum durchsetzt bist, deswegen weißt du es nicht, daß man in dem Glauben an den alleinigen wahren Gott auch Christus als wahren Gott um des ewigen Lebens willen bekennen muß.

1: Joh. 10, 28.
2: Joh. 17, 1.
3: Joh. 16, 33.
4: Joh. 16, 32.
5: Joh. 8, 42.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger