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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

14. Anders die Gestalt Gottes, anders die des Knechtes: ein Christus.

Dieses also oblag uns mit wenigen Worten zu beweisen, damit wir uns dessen bewußt blieben, daß wir bei unserem Herrn Jesus Christus von einer Person mit zweifacher Wesenheit handeln. Denn derjenige, der in der Gestalt Gottes blieb, nahm die Gestalt des Knechtes an, durch die er gehorsam war bis zum Tode.1 Der Gehorsam des Todes ist nämlich nicht in der Gestalt Gottes, wie auch die Gestalt Gottes nicht in der Gestalt des Knechtes ist. Gemäß dem Geheimnis des (göttlichen) Waltens in (dem Bericht) der Evangelien ist aber nicht ein anderer in der Gestalt des Knechtes, als wer eben in der Gestalt Gottes ist, da es doch nicht dasselbe ist, die Gestalt des Knechtes anzunehmen und in der Gestalt Gottes zu bleiben. Denn die Gestalt des Knechtes hat derjenige, der in der Gestalt Gottes blieb, nur dadurch annehmen können, daß er sich selbst entäußerte, nicht aber dadurch, daß für ihn beide (Wesens-) Gestalten auf gleichwertiger Stufe sich zusammenschlossen.

Es ist aber nicht ein anderer und ein verschiedener, wer sich entäußert und wer die Gestalt des Knechtes angenommen hat. Denn (etwas) anzunehmen ist demjenigen unmöglich, der nicht da ist; denn nur derjenige, der Bestehen hat, vermag (etwas) anzunehmen. Somit ist die Entäußerung der Gestalt nicht eine Vernichtung des Wesens, weil derjenige seiner selbst nicht ledig ist, der sich entäußert; und wer annimmt, der dauert fort in seinem Dasein. Da er selbst es ist, der sich entäußert und [S. 81] annimmt, so hat er darin zwar ein Geheimnis, daß er sich entäußert und annimmt; nicht aber erleidet er damit ein Vernichtetwerden, damit nicht etwa nicht besteht, wer erniedrigt, und nicht ist, wer annimmt.

Darauf also zielt die Entäußerung ab, daß die Gestalt des Knechtes hervorkomme, nicht aber darauf, daß Christus, der in der Gestalt Gottes ist, als Christus nicht mehr fortdauere. Denn die Gestalt des Knechtes hat niemand anders als eben Christus angenommen. Als er sich entäußert hat, um Christus als noch fortbestehender Geist und derselbe Christus als Mensch zu sein, da hat die Änderung des Zustandes in (der Annahme) der Körperlichkeit und die Annahme des (menschlichen) Wesens das Wesen der bleibenden Göttlichkeit nicht zunichte gemacht; denn der eine und derselbe Christus ist es, der den Zustand ändert und annimmt.

1: Phil. 2, 8.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger