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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Neuntes Buch

2. Die Schriftstellen, die die Arianer mißbrauchen. Grund, warum sie deren Sinn verfehlen.

Das alles gibt sich zwar so, wie es in Wirklichkeit ist, weil der aus Gott stammende wesensmäßige Sohn nur dasjenige Wesen als Sohn zu besitzen vermag, wodurch Gott sein Wesen hat, und weil die nicht-unterschiedene Einheit des lebendigen Wesens vermöge der Geburt eines lebendigen Wesens von sich selbst unabtrennbar ist. Die Irrlehrer versuchen aber dennoch durch das heilbringende Bekenntnis des Glaubens der Evangelien zum Verderben der Wahrheit sich einzuschleichen, um dem Sohn die wesensgemäße Einheit (mit dem Vater) zu entziehen, da sie es anders und zu anderem Zweck gesagt, und anders und zu anderem Zweck gedeutet sich zurechtlegen.

Zur Leugnung der Gottessohnschaft benutzen sie dieses Wort als Belegstelle: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur der eine Gott;”1 weil das Bekenntnis von einem Gott gesprochen habe, so soll nicht in Gottes Wesenheit bestehen, was immer von ihm her göttlichen Namen trägt, weil eben Gott nur einer ist. Daß sein Name als Gott mehr Benennung als Wahrheit sei, versuchen sie durch sein Wort zu bestätigen: „Das aber ist das ewige Leben, daß sie dich erkennen, den alleinigen wahren Gott.”2 Und um zu [S. 67] beweisen, daß er außerhalb des eigentümlichen Wesens Gottes stehe, fügen sie hinzu: „Der Sohn vermag von sich aus nichts zu tun, es sei denn, was er den Vater habe tun sehen.”3 Auch mit diesem Wort versuchen sie es: „Der Vater ist größer als ich.”4 Und endlich vollends: sie rühmen sich, den Glauben der Kirche durch ein fast unwiderlegliches Bekenntnis der Leugnung der Gottheit völlig damit umgestürzt zu haben, daß sie lesen: „Von jenem Tag und jener Stunde weiß aber keiner etwas, weder die Engel im Himmel noch der Sohn als nur der Vater allein.”5

Dasjenige Wesen scheint nämlich vermöge der Geburt (seinem Urheber) nicht gleichgestellt werden zu können, das durch zwangsläufiges Nichtwissen von ihm verschieden ist; der Vater durch sein Wissen und der Sohn durch sein Nichtwissen machen aber die Unähnlichkeit ihrer Göttlichkeit offenbar, weil einerseits Gott über nichts in Unkenntnis sein darf und anderseits der Unwissende dem Wissenden nicht gleichgestellt werden darf.

Weil sie aber weder mit der Vernunft zu erkennen, noch nach den (besonderen) Zeitumständen zu unterscheiden, noch durch die Geheimnislehren der Evangelien zu erfassen, noch durch die Bedeutungen der Worte zu erfahren vermögen, deswegen reden sie das alles in törichter und unerfahrener Wut gegen das Wesen der Göttlichkeit. Um die Ohren der Unkundigen vollzutönen, führen sie nur diese (zusammenhanglosen Worte) an, und zwar außerhalb des Zusammenhanges, indem sie ihre abschließende Klarstellung oder ihre Veranlassung verschweigen, da man doch die Deutung von Worten entweder von dem Vorausgegangenen oder dem Nachfolgenden her erwartet.

1: Mark. 10, 18.
2: Joh. 17, 3.
3: Joh. 5, 19.
4: Joh. 14, 28.
5: Mark. 13, 32.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger