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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Achtes Buch

1. Pflicht des Bischofs, fromm und gelehrt zu sein.

[S. 7] Der hl. Paulus hat das Vorbild eines Mannes gezeichnet, der als Bischof eingesetzt werden soll; er hat eine völlig neue Art eines kirchlich-gesinnten Mannes durch seine Forderungen bestimmt. Denn er hat dies als das Höchste an Tugenden gelehrt, was in ihm in vollendeter Form vorhanden sein solle: „Festhalten gemäß der Lehre am Wort des Glaubens, damit er imstande sei, zur gesunden Lehre zu begeistern und die Widersacher zu überwinden. Denn es gibt viele, die nicht willigen Geistes sind, Lügner und Verführer.”1

Denn er sagt, daß Lebenszucht und Gesittung in der Weise zu des Priesters Vorteil von Nutzen sein werden, wenn zu dem übrigen auch das nicht fehlt, was zur Lehre und zum Schutze des Glaubens-Wissens notwendig ist, weil es nicht ohne weiteres Kennzeichen für einen guten und nützlichen Priester ist, entweder nur ein makelloses Leben zu führen oder nur in gelehrter Form die Lehre zu verkündigen. Denn ein makelloser Priester hat nur für sich selbst Gewinn, es sei denn, daß er auch geistig gebildet ist; und ein geistig Gebildeter bleibt mit seiner Lehre ohne Einfluß, es sei denn, daß er makellos ist. Das Wort des Apostels stellt nämlich durch die Forderungen der Rechtschaffenheit und Ehrbarkeit den Mann nicht nur auf die Seite der Welt (, um) zum Leben (hinzuführen), er setzt aber anderseits auch nicht um [S. 8] des Wissens der Lehre willen den Schriftgelehrten der Synagoge ein, (um) das Gesetz (zu lehren). Den vollkommenen Kirchenfürsten bestimmt er vielmehr als einen Mann mit den vollkommenen Gütern ganz hochstehenden Lebens, damit die Lehre Zier seines Lebens sei und das Leben Zier seiner Lehre. Endlich hat er den Titus, an den der Brief gerichtet war, mit folgender Bestimmung über die Vollendung des Glaubens belehrt: „In allem gib dich als Vorbild guter Taten; lehre mit achtunggebietender Ehrfurcht eine gesunde, unwiderlegliche Lehre, damit auch der Gegner Achtung habe, indem er nichts Schimpfliches oder Schlechtes über uns zu sagen habe!”2

Der Lehrer der Völker3 und der erwählte Führer der Kirche, aus dem Bewußtsein heraus, daß Christus in ihm spreche und wohne, wußte hier sehr wohl, daß die Seuchen kranker Lehre um sich fressen würden; daß wider die gesunde Lehre der Gläubigen die Verderbnis todbringender Lehre wüten würde, die das Gift ihrer ungläubigen Auslegung sogar bis zum Sitz der Seele hinabträufeln und mit tiefem Übel schleichend durchdringen würde. Aus diesem Bewußtsein heraus sagte er nämlich: „Deren Wort schleichend frißt wie ein Krebsgeschwür”,4 das mit versteckter und unheimlich wuchernder Ansteckung die Gesundheit des Geistes anfrißt, in den es eingedrungen ist.

Deswegen fordert er, daß der Bischof die Lehre gesunden Wortes besitze, Wissen um den Glauben, Verständnis zu Aufmunterung, das sich gegen die ungläubigen und lügnerischen und wahnwitzigen Widersprüche im Besitz behauptet. Denn viele gibt es, die Glauben vortäuschen, aber dem Glauben sich nicht unterwerfen; die eher sich selbst den Glauben zusammenstellen, als ihn annehmen, aufgeblasen in der Denkweise menschlicher Hohlheit, indem sie nur das für ihr Denken hinnehmen, was sie selbst wollen, und das nicht annehmen wollen, [S. 9] was wahr ist; denn dies ist doch erst Weisheit im wirklichen Sinn, zuweilen auch dasjenige im Denken hinzunehmen, was man nicht will. Die Folge dieser Weisheit des eigenen Willens ist aber das Wort der Torheit, weil notwendig das törichte Denken auch zur törichten Lehre wird.

Was für ein Schaden für die Hörer ist aber vollends eine törichte Lehre, da sie zu der Meinung der Torheit verführt werden, in dem Glauben, es sei Weisheit! Deswegen hat der Apostel auf diese Rücksicht genommen, mit diesen Worten: „Es gibt nämlich viele, die nicht willig sind, Lügner und Verführer.” Widerspruch ist also vonnöten gegen die freche Ungläubigkeit, gegen die prahlerische Frechheit, gegen das verführerische Prahlen; entgegentreten muß man mit gesunder Lehre, mit wahrem Glauben, mit lauteren Worten, damit einerseits die Lauterkeit der Wahrheit eigne und anderseits die Wahrheit der gesunden Lehre.

1: Tit. 1, 9 f.
2: Tit. 2, 7 f.
3: 1 Tim. 2, 7.
4: 2 Tim. 2, 17.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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