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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Achtes Buch

3. Die Irrlehrer geben sich größere Mühe, um das Falsche, denn die Katholiken, um das Wahre darzutun.

Wie es aber zum Wesen und zur Betätigung guter und kluger Männer gehört, sich ganz hinzugeben, um irgendeinen wohlerhofften Gegenstand oder Zeitabschnitt zu erreichen, damit keiner in irgendeiner Hinsicht zu wenig mit Voraussicht gerüstet sei, so geben sich diejenigen, die im irrlehrerischen Wahn von Sinnen sind, [S. 11] die größte Mühe, mit der ganzen Anspannung ihrer Ungläubigkeit gegen die Wahrheit des rechten Glaubens zu kämpfen, um gegen die Rechtgläubigen als die Widergläubigen zu siegen; um noch über die Hoffnung unseres Lebens hinaus mit der Hoffnungslosigkeit ihres Lebens in der Übermacht zu sein.1 Mehr Gedankenarbeit verwenden sie auf das Falsche, als wir an Lehre auf das Wahre verwenden. Den rechten Lehren unseres Glaubens haben sie nämlich diese entgegengesetzten Behauptungen ihres falschen Unglaubens entgegengestellt, um zuerst zu erforschen, ob in unserem Glauben die Einheit Gottes gelte; um dann anschließend zu prüfen, ob auch Christus Gott sei; und endlich, ob der Vater größer sei als der Sohn, um es gegen die Gottheit Christi zu verwenden, wenn sie in (unserer) Lehre von der Einheit Gottes gehört haben. Denn beim Sohn fragen sie nicht danach, ob er Gott sei; sondern durch ihre Fragen über Christus wollen sie nur dieses als Zugeständnis (erreichen), daß er nicht Sohn sei. Das ist ihre Absicht, einen Menschen von schlichter Gläubigkeit einzufangen, ihn durch den Glauben an die Einheit Gottes von dem Bekenntnis der Gottheit Christi abspenstig zu machen, da ja Gott dann nicht einer sei, wenn man auch Christus als Gott bekennen müsse.

Mit welcher Geschicklichkeit weltlichen Geistes gehen sie vollends zu Werke, wenn sie behaupten: „Wenn nur einer (Gott) ist, dann kann jener andere das nicht sein, als was immer er erscheinen mag. Wenn ein anderer da ist, dann kann hier wohl nicht nur einer sein, da es die Naturgesetzlichkeit nicht zuläßt, daß dort nur einer sei, wo auch ein anderer ist; oder daß dort ein anderer sei, wo nur einer ist.” Daraufhin haben sie mit der Leichtgläubigkeit dessen, der das glaubt und hört, durch die Pfiffigkeit dieser ihrer Behauptung ihr Spiel getrieben und erreichen damit dasjenige, was sie glauben, auf einem leichteren Wege schon erhalten zu können: [S. 12] daß Christus mehr dem Namen als dem Wesen nach Gott sei. Denn dieser sein allgemeiner Name mache den allein wahren Glauben an den einen Gott nicht zunichte; deswegen sei der Vater größer als der Sohn, weil es nur einen einzigen Gott gebe und der Vater wegen der Verschiedenheit des Wesens eben wegen seines ihm eigentümlichen Wesens größer sei. Der Sohn habe ferner nur diesen Namen, und habe als Geschöpf auf Gottes Willen hin sein Dasein, weil er auch geringer als der Vater ist. Er sei auch nicht Gott, weil die Gottheit des einen Gottes die eines anderen nicht duldet; und, wer kleiner ist, sei eben notwendig von demjenigen wesensverschieden, der größer als er ist.

Wie machen sie sich damit aber lächerlich, wenn sie Gott mit ihrer Behauptung Vorschriften machen, aus einem könne nichts geboren werden, weil die Geburt aller Dinge nur aus der Verbindung zweier (Lebewesen) möglich sei; der unveränderliche Gott könne aber aus sich (seinem Wesen) heraus keinem eine Geburt zuerteilen, weil das Unveränderliche eines Zuwachses nicht fähig sei und das Wesen eines Vereinzelten und Einzigen nicht in sich die Fähigkeit zur Zeugung habe.

1: d. h.: mit mehr Hingebung hoffen als wir.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger