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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Siebtes Buch

6. Sabellius und Arius führen durch ihren gegenseitigen Kampf die Sache der Kirche.

Halte mit dem Wahn dieses (Irrlehrers)1 den Wahn der gegenwärtigen Irrlehrer2 zusammen, um sich gegen Sabellius zu helfen!

Sie werden behaupten, gelesen zu haben: „Der Vater ist größer als ich;”3 von dem Geheimnis der Geburt [S. 337] oder auch von der Selbstentäußerung4 und der Fleischannahme werden sie überhaupt nichts erkennen und durch die Hervorhebung des höheren Wesens das andere herabmindern. Gegen Sabellius behaupten sie nämlich, seine Sohnschaft gehe sogar soweit, daß er sowohl geringer sei als der Vater, als auch vergangene Ehre zurückfordere und Furcht vor dem Tode habe und doch auch gestorben sei.

Demgegenüber verteidigt aber jener auf Grund der Taten (Christi) sein Wesen als Gott; und indem diese ganz junge Irrlehre den einen Gott nicht leugnet, um nicht an den Gott-Sohn glauben zu müssen, so wird Sabellius doch das Bekenntnis von der Einheit Gottes beibehalten, um nicht das Dasein des Sohnes irgendwie gelten zu lassen. Der eine wird auf die Betätigung des Sohnes hinweisen, der andere wird behaupten, in seinen Werken betätige sich Gott. Der eine wird auf der Einheit bestehen, der andere wird die Einheit Gottes bestreiten. Sabellius wird sich durch die Behauptung schützen, daß die vollzogenen Werke nur ein göttliches Wesen wirken könne; Vergebung der Sünden, Heilung von Krankheiten, Laufen von Lahmen, Sehen von Blinden, Leben von Verstorbenen wird nur von Gott gewirkt. Nur ein solches (Person-) wesen, das klares Wissen seiner selbst hat, und kein anderes, würde sagen: „Ich und der Vater sind eins.”5 Was reißt du mich zu einem anderen selbständigen Wesen hin? Was beredest du mich zu einem (Glauben an einen) anderen Gott? Die Taten, die Gott eigentümlich sind, die hat der eine Gott gewirkt.

Dagegen aber werden mit Schlangenmund diejenigen lärmen, deren Lehre die Unähnlichkeit des Sohnes mit Gott-Vater behauptet: du kennst nicht das Geheimnis des Heiles; an den Sohn muß man glauben, durch den die Zeitläufte erschaffen sind, durch den der Mensch gebildet wurde, der durch die Engel das Gesetz gab, der [S. 338] aus Maria geboren wurde, der vom Vater gesandt wurde, der gekreuzigt wurde, gestorben ist und begraben wurde, der von den Toten auferstanden und zur Rechten Gottes (erhöht) ist, der Richter der Lebendigen und Toten ist. Auf ihn hin muß man wiedergeboren6 werden; er muß im Bekenntnis geglaubt, und sein Reich muß durch verdienstvolles Tun erworben werden.

Beide Feinde der Kirche führen doch nur die Sache der Kirche: Sabellius lehrt seine wesentliche Gottheit auf Grund der Taten, diese aber bekennen den Sohn auf Grund des Glaubensgeheimnisses.

1: Sabellius.
2: Arianer.
3: Joh. 14, 28.
4: Vgl. Phil. 2, 7.
5: Joh. 10, 30.
6: Vgl. Joh. 3, 3.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger