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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Siebtes Buch

37. Der Sohn macht als des Vaters lebendiges Abbild diesen erkennbar.

Er beklagt es, daß er nicht erkannt worden sei, da er diese Taten so lange Zeit hindurch getan habe; und denen, die darum bitten, er möge den Vater zeigen, sagt er: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.”1

Hier meint er nicht das körperliche Betrachten und Sehen der körperlichen Augen, sondern (das Sehen) von solchen, von denen er gesagt hatte: „Saget ihr nicht, daß es noch vier Monate sind und daß dann die Ernte kommt? Seht, ich sage euch, erhebt eure Augen und blickt hin auf die Gegenden, daß sie weiß zur Ernte sind!”2 Weder die Zeit duldet es, noch die Bezeichnung der ernte-weißen Gegenden3 läßt es zu, hier etwas Irdisches und Körperhaftes verstehen zu wollen; sondern um die Seligkeit vollkommener Früchte zu schauen, fordert er, die Augen der Erkenntnis zu erheben, so wie er auch jetzt sagt: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.” Denn nicht was von der Geburt der Jungfrau her an ihm körperlich ist, hilft dazu, in ihm Gottes Gestalt und Bild zu erkennen; auch dient nicht die Erscheinung des angenommenen Menschen als Beispiel zum Erschauen des Wesens des unkörperhaften Gottes.

[S. 380] Sondern wenn überhaupt (Jesus) von irgendwelchem erkannt ist, dann ist Gott in ihm erkannt, aber aus der Kraft seines Wesens. Die Erkenntnis Gottsohnes gewährt auch die Erkenntnis des Vaters, da er in der Weise Bild ist, daß er nicht art-verschieden ist, sondern den Urheber bezeichnet. Denn die übrigen Bilder werden aus verschiedenen (Stoffen) hergestellt, aus Metallen oder aus Farben oder aus gewachsenen oder künstlich hergestellten Stoffen und geben so die Erscheinung der Abgebildeten wieder. Kann aber, was gemalt oder gemeißelt oder gegossen ist, als Unbelebtes dem (natürlich) Lebenden angeglichen werden, um wahres Bild zu sein? Aber nicht in dieser Art ist der Sohn des Vaters Abbild; denn er ist das lebendige Abbild des Lebendigen. Durch seine Geburt aus ihm hat er kein anders-artiges Wesen; er hat ohne Unterschied die Macht des Wesens in Besitz, von dem her er sein wesensgleiches Dasein hat. Daß er also Abbild ist, das hilft dazu, daß die Geburt des eingeborenen Gottes den göttlichen Vater kenntlich mache, kenntlich mache aber, weil sie Gestalt und Abbild des unsichtbaren Gottes ist; deswegen verliert er auch nicht die geeinte Ähnlichkeit4 des Wesens, weil er auch der Kraft dieses Wesens nicht ledig ist.

1: Joh. 14, 9.
2: Joh. 4, 35.
3: weil es bis zur Ernte noch vier Monate sind.
4: „Ähnlichkeit” = ὁμοιούσιος [homoiousios]. Dieses Wort kann rechtgläubig ausgelegt werden, wie Hilarius es hier tut, indem es einerseits die Gleichheit im Wesen, anderseits die Verschiedenheit im Person-sein bezeichnet; aber auch falschgläubig, indem es nur die Verschiedenheit, nicht aber auch die Gleichheit hervorheben soll, und ist dann nur eine Verschleierung für ἀνόμοιος [anomoios] = wesens-ungleich.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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