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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Siebtes Buch

31. Dem Sohn eignet das göttliche Wesen kraft seiner Geburt. Deswegen ist er im Vater und der Vater in ihm. Wer vom Vater spricht, der spricht auch vom Sohn.

Von einem Lebenden stammt also der lebende Sohn Gottes, und Gott aus Gott. Um auf die Einheit untrennbaren und nicht-unterschiedenen Wesens und auf das Geheimnis der Geburt hinzuweisen, sagt er: „Ich und der Vater sind eins.”1 Weil man das Wort als anmaßend schmähen würde, deswegen wollte er vielmehr das Wissen um das Wesen in dem Wort nachweisen und fügte hinzu: „Ihr behauptet, daß ich gelästert habe, weil ich gesagt habe: ich bin Gottes Sohn”;2 damit bezeugte er, daß die Einheit des Wesens der Geburt entstamme.

Damit aber eine eindeutige Lehre den Glauben an die Geburt bekräftige; damit aber auch nicht die Lehre von der Geburt die Meinung von einer Wesenstrennung veranlasse, deswegen gab er der ganzen Antwort diesen Abschluß: „Glaubt meinen Werken, daß der Vater in mir ist und ich im Vater bin.”3 Inwiefern ist hier nicht das Wesensmäßige und Eigentümliche unter dem Geheimnis der Geburt aufgezeigt? Sie umschließen sich wechselseitig in ihrem Sein, da die Geburt nur aus dem Vater erfolgt ist, da er nicht außerhalb und unähnlich als zweiter Gott besteht, da er als Gott aus Gott dauerndes Sein besitzt und sein Gott-sein nicht anderswoher hat.

[S. 373] Wenn der Anlaß sich bietet, dann führe nur zwei Götter in die Lehre der Kirche ein; oder sprich lügnerisch von einem vereinzelten Gott, wenigstens mit einem falschen Grunde! Trenne, wenn du es kannst, den Sohn vom Vater, ohne (Rücksicht auf) die Wahrheit der Geburt, die so sehr ausdrücklich gelehrt wird: der Sohn ist (dennoch) im Vater, und im Sohn der Vater, nicht durch wechselseitiges Hin- und Widerströmen, sondern durch die vollkommene Geburt eines lebenden Wesens. So wirst du also in Gott-Vater und Gott-Sohn nicht zwei Götter zählen; denn beide sind eins. Du wirst aber auch nicht nur einen lehren, weil beide nicht einer sind.

Der Glaube der Apostel kennt also nicht zwei Götter, weil er weder zwei Väter kennt noch zwei Söhne. Indem er den Vater lehrte, bekannte er auch den Sohn; durch das Bekenntnis des Sohnes bekannte er auch den Vater; denn der Name „Vater” schließt den Namen „Sohn” in sich. Vater ist er nämlich nur durch den Sohn; und die Bezeichnung des Sohnes ist der Erweis des Vaters, weil der Sohn nur aus dem Vater stammt.

In dem Bekenntnis des einen (Wesens) ist also nicht nur einer: da dem Vater der Sohn die Vollendung gibt4 und des Sohnes Geburt aus dem Vater stammt. Durch die Geburt wird das Wesen aber nicht geändert, damit es nicht nach ihrer Art-ähnlichkeit dasselbe sei. Dasselbe aber ist es in dem Sinne, daß vermöge der Geburt und Zeugung vielmehr eines zu bekennen ist als einer.5

1: Joh. 10, 30.
2: Joh. 10, 36.
3: Joh. 10, 38.
4: Das besagt: zum „Vater” gehört wesensnotwendig der „Sohn”, so daß Gott-Vater ohne Gott-Sohn gar nicht denkbar ist.
5: Ein Wesen, aber nicht nur ein Träger dieses Wesens.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger