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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Siebtes Buch

4. Die Wucht der Wahrheit. Der sehnliche Wunsch der Kirche, alle in ihrem Schoß zu bergen. Gerade aus den Irrlehren erkennt man das. Sie ist eine. Ihr bleibt der Endsieg über die Irrlehren, die sich gegenseitig besiegen.

[S. 334] Doch ich hoffe, die Kirche wird dieses Licht ihrer Lehre auch in die Torheit der Welt hineintragen; zwar nicht mit dem Erfolg, daß diese das Geheimnis des Glaubens annehme, wohl aber mit dem, daß sie (die Welt) einsehe, die Wahrheit des Geheimnisses werde nur von uns gegen die Irrlehrer verkündet. Groß ist nämlich die Wucht der Wahrheit, die zwar schon durch sich erkennbar ist, doch gerade auch aus ihrem Gegensatz hervorstrahlt, damit sie in ihrem Wesen unerschüttert Bestand habe und aus der täglichen Anfeindung nur (neue) Festigkeit gewinne. Denn das ist der Kirche eigentümlich, daß sie in der Verwundung siege, daß sie in der Beschuldigung (in ihrem wahren Wesen) erkannt werde, daß sie in der Verlassenheit Gewinn finde. Sie möchte zwar, daß alle bei ihr und in ihr bleiben; und aus ihrem friedvoll-ruhigen Schoß möchte sie solche nicht ausstoßen oder verlorengehen lassen, die der Wohnung einer so erhabenen Mutter unwert werden; wenn aber Irrlehrer von ihr scheiden oder getrennt werden, dann gewinnt sie ebensoviel an Bestätigung für ihren Glauben, daß man nur von ihr die Glückseligkeit erbitten dürfe, wie sie an Gelegenheit verliert, von sich aus das Heil zu gewähren.

Denn dieses kann man gerade aus den Bemühungen der Irrlehrer ganz leicht erkennen. Denn die vom Herrn gestiftete und von den Aposteln gefestigte Kirche ist nur eine, unter allen (, die das von sich behaupten). Von ihr hat sich der wahnwitzige Irrtum der verschiedenen Irrlehrer abgetrennt; und man kann nicht leugnen, daß aus dem Fehler böswilliger Auslegung die Glaubensspaltung [S. 335] ihren Ursprung herleite, indem man das Gelesene mehr der vorgefaßten Meinung anglich, als daß die Auffassung der Lesung sich unterordnete. Wenn auch die einzelnen Teile sich befehden, so kann man (die wahre Kirche) nicht allein aus ihren eigenen Lehren, sondern auch aus den gegnerischen erkennen, so daß sie den völlig falschgläubigen Irrtum aller zusammen dadurch widerlegt, daß sie einzig und einig ist, während gegen sie als einzige alle gegnerisch gestimmt sind.

Die Irrlehrer gehen also alle gegen die Kirche vor; doch indem die Irrlehrer sich selber gegenseitig besiegen, so gewinnen sie für sich doch keinen Sieg. Denn ihr Sieg ist das Obsiegen der Kirche über sie alle; denn um dessetwegen kämpft eine Irrlehre wider die andere, was an der anderen Irrlehre die Kirche verwirft ― denn die Irrlehren haben kein gemeinsames Lehrgut. Eben durch ihre gegenseitige Befehdung bekräftigen sie unterdes unseren Glauben.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger