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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Siebtes Buch

26. Das göttliche Wesen des Sohnes wird aus seinen Taten überzeugend dargetan. Was außerhalb Gottes ist, kann ihm nicht gleichgestellt werden.

Das Wort des eingeborenen Gottes hat das Geheimnis unseres ganzen Glaubens in eins zusammengefaßt. Er hatte darauf geantwortet, warum er als Mensch sich zu Gott mache. Um sein Wort: „Ich und der Vater sind eins” den Wert einer endgültigen und vollkommenen Erkenntnis gewinnen zu lassen, fügte er anschließend hinzu: „Ihr behauptet, ich hätte gelästert, weil ich gesagt habe: Sohn Gottes bin ich. Wenn ich nicht die Werke des Vaters tue, dann glaubt ihr mir nicht; wenn ich sie aber tue und ihr mir nicht glauben wollt, so glaubt meinen Werken, damit ihr wisset und erkennet, daß der Vater in mir ist und ich im Vater bin.”1

Die Rettung der ungezügelten Frechheit ist in ihrem eigenen Bewußtsein schon hoffnungslos, und die ganze Ungläubigkeit hat sich ganz schamlos kundgetan. Denn es errötet derjenige auch schon über die Torheit nicht, der den Glauben verloren hat. Denn solchen zu antworten, ist eher Sinnlosigkeit als Unkenntnis.

Der Herr hatte gesagt: „Ich und der Vater sind eins;” es ist dies das Geheimnis der Geburt, daß der Vater und [S. 366] der Sohn im Wesen eins sind. Weil sein Anspruch auf das Wesen ihm zur Schuld vorgehalten wurde, deswegen wird die Berechtigung des Ausspruches aus seiner Wurzel her dargetan. Sagt er doch: „Wenn ich nicht die Werke des Vaters tue, dann glaubt ihr mir nicht.”2 Wenn er die Werke des Vaters nicht tut, dann braucht man ihm keinen Glauben zu schenken, wenn er sich als Gottessohn bekundet. Der Geborene besitzt also nicht ein neues und außergöttliches Wesen; denn deswegen soll man an seine Sohnschaft glauben, weil er die Werke des Vaters tut. Was an Raum findet hier die Kindschafts-annahme, was auch die huldvolle Gewährung eines Namens, (um es zu zeigen,) daß er nicht wesensmäßiger Sohn Gottes sei, da man an seine Gottessohnschaft aus den Werken des väterlichen Wesens glauben muß! Ein Geschöpf wird Gott nicht gleichgestellt oder ist ihm nicht ähnlich, noch auch kann die Macht eines andersartigen Wesens mit ihm (dem Vater-Gott) verglichen werden: nur allein vom geborenen Sohn glaubt man in durchaus rechtgläubiger Weise, daß er ihm auf Grund der Ähnlichkeit gleich sei. Denn alles Außergöttliche wird nur unter mißbräuchlicher Schmähung ehrenvoller Macht ihm gleichgestellt. Wenn nämlich etwas, das nicht aus ihm ist, ihm ähnlich und gleich an Macht erfunden werden kann, dann hat er sein Vorrecht als Gott in der Gemeinschaft mit einem Gleichgestellten verloren und er wird dann schon nicht mehr der eine Gott sein, für den es einen (von ihm) unabhängigen, anderen Gott gibt.

Nun hat aber die Gleichheit der Eigentümlichkeit nichts von Schmähung an sich, weil sein Eigentum ist, was ihm ähnlich ist; und weil aus ihm sein Dasein hat, was wegen seiner Ähnlichkeit mit ihm gleichgestellt wird; weil auch nicht außerhalb seiner ist, was seine (des Vaters) eigene Taten wirken kann; weil es ein Gewinn an Würde ist, ein machtvolles Wesen gezeugt und das eigene Wesen sich nicht entfremdet zu haben. Die Werke [S. 367] des Vaters vollzieht der Sohn, und deswegen fordert er den Glauben an seine Gottessohnschaft. Das ist keine überhebliche Anmaßung, die sich nur aus ihren Taten bewähren will. Er bezeugt es aber, daß er nicht seine, sondern des Vaters Taten wirkt, um nicht durch machtvolle Größe seiner Taten sein Wesen als Sohn schwinden zu machen.3 Weil unter dem Geheimnis des angenommenen Leibes und des aus Maria geborenen Menschen der Sohn Gottes nicht erkannt wurde, deswegen wird der Glaube an den Namen aus den Taten bewährt, wenn er sagt: „Wenn ich sie aber tue und ihr mir nicht glaubt, so glaubet meinen Werken.”4

Zuerst: daß man an seine Gottessohnschaft glaube, fordert er nur auf Grund der Werke des Vaters, die er vollzieht. Wenn er aber die Werke vollzieht und er wegen seiner körperlichen Erniedrigung des Glaubens an seine Bekundung unwürdig ist, so fordert er Glauben an seine Werke. Warum denn soll das Geheimnis der Menschwerdung die Erkenntnis der göttlichen Geburt hindern, da doch der göttliche Sohn jedes seiner Werke nur mit Hilfe des angenommenen Menschen wirkt? Wenn man also dem Menschen die Gottessohnschaft auch auf Grund der Werke nicht zuspricht,5 so soll man den Werken glauben, daß sie dem Gottessohn eignen, weil man von ihnen unmöglich abstreiten kann, daß sie einem Gott zugehören. Denn durch seine Geburt besitzt der Sohn Gottes alles, was Gottes Eigentum ist; und deswegen ist das Werk des Sohnes zugleich das Werk des Vaters, weil der Sohn nicht außerhalb desjenigen Wesens ist, aus dem her sein Dasein Dauer hat, und weil er dasjenige Wesen in sich besitzt, von dem her er Dasein besitzt.

1: Joh. 10, 36―38.
2: Joh. 10, 37.
3: weil sie nur von Gott, d. h. (nach Sabellius) nur von Gott-Vater, als nur von einer göttlichen Person vollzogen werden können.
4: Joh. 10, 38.
5: weil sie scheinbar nur Menschenwerke sind.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger