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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Siebtes Buch

14. Der Sohn hat wegen seiner Geburt aus Gott göttliches Wesen. Geboren-werden und Beginn-haben sind nicht dasselbe.

Zunächst frage ich, was für einen neuen Wesensbestandteil die Geburt des Sohnes habe herbeiführen können, um ihn daran zu hindern, Gott zu sein? Das schließt der Erfahrungsbereich menschlichen Erkennens aus, daß etwas durch seine Geburt von dem Wesen seines Ursprungs verschieden sei; es müßte denn von verschiedenartigen Wesen empfangen sein und etwas Neues [S. 347] in ihm zum Leben kommen, und es auf diese Weise jeder Art angehören (die bei der Zeugung mitwirkt), ohne eine ganz zu sein; bei zahmen und wilden Tieren kommt das häufig vor. Aber eben dieses Neue ist nur deswegen da, weil die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Wesensarten durch die Geburt zusammengeschlossen wurden. Deren Verschiedenheit ist nicht eine Folge der Geburt, sondern deren Voraussetzung. Denn sie nimmt ja nur das hin, was aus den beiden Ursprüngen für sie zu einem (Wesen) wird.

Wenn das bei körperlichen Dingen und deren Eigenschaften schon so ist, was für ein Wahn, frage ich, ist es dann, die Geburt des eingeborenen Gottes auf ein Wesen zu beziehen, das Gott gegenüber herabgemindert ist? Der Geborene entstammt doch nur der Wesenseigenart; und es wird überhaupt keine Geburt zustandekommen, wenn nicht das so und so geartete Wesen beim Vorgang der Geburt vorhanden ist. Von daher hat jene ganze leidenschaftliche Raserei ihren Ursprung, daß (nämlich) vom Sohne Gottes nicht eine Geburt gelte, sondern eine Erschaffung. Er soll nämlich in seinem Dasein für sein Wesen keinen Ursprung haben, sondern eines aus dem Nichts gewinnen, das von Gott verschieden ist. Denn nach seinem Wort: „Was aus dem Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren wird, das ist Geist”1 sei es nicht zweifelhaft, daß dem Geborenen nichts von seinem Urheber Fremd- und Andersartiges zukomme, weil eben Gott Geist ist.2

Die Geburt Gottes macht also den (geborenen) Gott vollkommen, damit man von Gott wisse, er sei nicht begonnen, sondern geboren worden. Denn das Beginn-haben kann nicht dasselbe sein wie das Geboren-werden; [S. 348] alles nämlich, was einen Anfang hat, gewinnt entweder vom Nichts her sein Dasein oder entwickelt und verändert sich aus dem einen zu einem anderen: so aus der Erde das Gold, aus dem Festen das Flüssige, aus dem Kalten das Heiße, so aus dem Weißen das Purpurne, so aus dem Wasser das Lebende, so aus dem Unbelebten das Belebte. Gottes Sohn hat aber weder aus dem Nichts her sein Dasein als Gott begonnen ― er ist vielmehr geboren worden ― , noch auch war er vor seinem Gott-sein etwas anderes. Wer als Gott geboren wurde, der hat sein Gottsein weder begonnen noch dazu sich je entwickelt. Der Geborene besitzt also dasjenige Wesen, aus dem her er sein Dasein hat; und der Sohn Gottes hat kein anderes Bestehen als eben sein Gott-sein.

1: Joh. 3, 6.
2: Die Arianer müssen entweder eine Geburt und damit die Gott-gleichheit des Sohnes zugestehen, oder aber seine Gott-gleichheit leugnen und nicht von einer Geburt, sondern von einer Schöpfung sprechen.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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