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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Siebtes Buch

12. Thomas bekennt ihn als Gott, ohne den Glauben an den einen Gott zu verletzen. Thomas bekennt ihn als wesenhaften Gott. Diesen Namen weist Christus nicht zurück.

Wir wollen zusehen, ob dieser Lehre des Evangelisten das Bekenntnis des Apostels Thomas entspricht, wenn er sagt: „Mein Herr und mein Gott!”1 Sein Gott also ist es, den er als Gott bekennt. Sicherlich kannte er sehr wohl das Wort des Herrn: „Höre, Israel, der Herr, dein Gott, ist nur einer”:2 wie konnte der Glaube des Apostels des grundlegenden Gebotes vergessen, so daß er Christus als Gott bekannte, da es doch Pflicht war, im Bekenntnis des einen Gottes zu leben?

Aber der Apostel hatte schon durch die Wundermacht der Auferstehung den Glauben an das ganze Geheimnis erfaßt; er hatte schon oft gehört: „Ich und der Vater sind eins”; und: „Alles, was dem Vater eignet, ist auch mein”; und: „Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir.”3 Nunmehr hat er ohne Gefahr für den Glauben den Namen des Wesens bekannt (nämlich „Gott”). Denn der Glaube wird durch das Bekenntnis der Gottheit des Gottessohnes dem Bekenntnis des einen Gott-Vaters nicht untreu werden, da man ja im Sohne Gottes an nichts anderes als an das wahrhaftige Wesen des Vaters glaubt; da ferner auch durch das vermiedene Bekenntnis eines zweiten Gottes der Glaube an das eine (göttliche) Wesen nicht gefährdet wird, da die im strengen Sinn zu verstehende Geburt Gottes nicht das Dasein eines zweiten Gottes herbeigeführt hat.

Thomas erkannte also die Wahrheit des Geheimnisses der Evangelien und hat seinen Herrn auch als seinen Gott bekannt. Hier geht es nicht um eine [S. 345] Ehrenbezeichnung, sondern um das Bekenntnis des Wesens: denn auf Grund eben der Tatsachen und Wundertaten hat er an die Gottheit (Christi) geglaubt.

Der Herr hat es bestätigt, daß dieses ehrfürchtige Bekenntnis nicht ein solches der Ehre, sondern des Glaubens sei: „Weil du gesehen hast, hast du geglaubt; selig, die nicht sehen und doch glauben.”4 Denn weil Thomas sah, hat er geglaubt. Was aber, so fragst du, hat er denn geglaubt? Was anderes, als was er bekannte: „Mein Herr und mein Gott!” Denn aus eigener Kraft von den Toten zum Leben aufzuerstehen, das vermochte nur ein göttliches Wesen; und der Glaube an dieses hingenommene Geheimnis hat dieses bekannt, daß er Gott ist. Oder es soll doch wohl der Name Gott deswegen nicht als das innerste Wesen angesehen werden, weil das Bekenntnis des Namens dem Glauben an das Wesen sich anschloß?

Denn wirklich: ein ehrfürchtiger Sohn, der nicht seinen Willen, sondern den Willen dessen tut, der ihn gesandt hatte; der nicht seine Ehre suchte, sondern die Ehre dessen, von dem her er gekommen war: der hätte die ihm erwiesene Ehre dieses Namens abgewehrt, um nicht seine eigene Lehre von dem einen Gott hinfällig zu machen. Er bestätigte aber das Geheimnis des wahren apostolischen Glaubens, er anerkannte für sich den Namen des väterlichen Wesens; er lehrte, daß die in Wahrheit selig seien, die durch die Erkenntnis seiner Auferstehung an ihn als Gott glaubten, ohne erst den von den Toten Auferstandenen gesehen zu haben.

1: Joh. 20, 28.
2: Deut. 6, 4.
3: Joh. 10, 30; 16, 15; 14, 11.
4: Joh. 20, 29.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger