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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Siebtes Buch

11. Der Grund für die Beinamen des Sohnes: Wort, Weisheit und Kraft. Sohn ist gemeint als Gott.

Hier aber ist das Wort Gott. Das Gegenständliche hat sein Dasein im Wort; des Wortes Gegenstand wird im Namen ausgesprochen. Denn die Bezeichnung als Wort kommt dem Sohne Gottes auf Grund der geheimnisvollen (ewigen) Geburt zu, ebenso auch die Namen Weisheit und Kraft. Wenn diese (Namen) auch durch die wesenhafte, wahre Geburt als Gott-Sohn selbständiges Dasein gewonnen haben, so ist das, als dem Eigentum Gottes, für ihn (den Vater) doch kein Verlust, obwohl es aus ihm als Gott geboren wurde.

Denn wir lehren ― schon oft haben wir es gesagt ― in dem Sohne nicht das Geheimnis einer Teilung, sondern einer Geburt. Es war auch nicht eine Trennung mit ihren Unvollkommenheiten, sondern ein Hervorgebracht-werden mit aller Vollkommenheit, weil (in diesem Fall) die Geburt nicht einen Verlust für denjenigen bedeutet, der zeugt, wenn sie auch einen Gewinn für denjenigen bringt, der geboren wird. Deswegen sind das (nämlich [S. 343] Kraft, Weisheit) für den Sohn Gottes angemessene Beinamen, die dem Vater aus der Kraft seines unveränderlichen Wesens heraus zu eigen bleiben, obwohl sie für denjenigen eine vollständige Wesensbestimmung bedeuten, der aus der Geburt sein Dasein gewinnt. Denn der eingeborene Gott ist das Wort, aber der ungeborene Vater ist überhaupt niemals ohne das Wort, nicht als ob das Wesen des Sohnes das Hervorbringen eines Wortes wäre, sondern bei demjenigen, der aus Gott durch eine wirkliche Geburt als Gott sein Dasein gewann, soll durch „Wort” dieses bezeichnet werden, daß er als des Vaters Sohn (im strengen Wortsinn) und als wesensmäßig von ihm unteilbar gelehrt werden solle.

So wie Christus Weisheit und Kraft Gottes ist, so ist er nicht die wirkende Betätigung eines inneren Vermögens oder Sinnes ― wie man es auszulegen pflegt ―, sondern durch diese Benennungen der inneren Vermögen wird ein Wesen bezeichnet, das durch die Geburt im Besitz eines wirklich für-sich-bestehenden Daseins ist. Denn was durch eine Geburt selbständiges Dasein gewinnt, kann nicht als dasjenige erscheinen, was irgendwem für immer innerlich ist. Der eingeborene Sohn, der aus dem ewigen Gott-Vater als für-sich-seiender Gott geboren wurde, ist in seiner Selbständigkeit erwiesen worden durch diese Namen von Eigenschaften, die ihm schon mit seinem bloßen Dasein zukamen. Er sollte nämlich womöglich nicht der Deutung verfallen, dem Wesen der väterlichen Gottheit fremd zu sein.

Wer also Gott ist (d. h. das Wort), ist also nichts anderes als Gott. Denn wenn ich höre: „Und Gott war das Wort”, dann höre ich nicht nur diese Behauptung, daß das Wort Gott ist, sondern sehe sogar darin einen Beweis dafür, daß er Gott ist. Denn wie vorher bei dem „Gott-Moses” und bei den zubenannten Göttern der Name nur als Beiname hinzugefügt wurde, so wird hier das für-sich-bestehende Wesen selbst bezeichnet, wenn es heißt: „Es war Gott”. Denn „Sein” ist nicht eine [S. 344] beiläufige Benennung, sondern bestehende Wirklichkeit und bleibender Gegenstand und wesensmäßige Arteigenschaft.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger