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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

10. Den Manichäus verwerfen sie, um das „einwesentlich” (ὁμοούσιος) [homoousios] zu beseitigen. Die Kirche weiß nichts von einem Teil, sondern nur von der Fülle Gottes im Sohn.

Sie (die irrlehrerische Kunstfertigkeit) behält aber auch in dem Folgenden die übelwollende Trügerischkeit ihrer gleichen kunstfertigen Gewandtheit bei, wenn sie sagt: „auch nicht, wie Manichäus den Sohn als einen Teil des einen Wesens des Vaters dargestellt hat”. Vorher wurde die Hervorbringung geleugnet, um die Geburt abzulehnen; jetzt wird auch, (und zwar) unter des Manichäus Namen, die Auffassung, (der Sohn) sei ein Teil des einen (göttlichen) Wesens, angeführt, um sie abzulehnen, um den Glauben zu verhindern, Gott sei aus Gott.

Denn in dem gewalttätigen Wahnwitz, das Gesetz und die Propheten ihrer Geltung zu berauben, als, soviel er vermag, des Teufels geschworener Vorkämpfer, dabei seiner Sonne unwissender Verehrer,1 hat Manichäus [S. 273] behauptet, was in der Jungfrau (Schoß verborgen) gewesen sei, das sei nur ein Teil des einen Wesens; und das hat er als Sohn erkannt wissen wollen, was aus dem Wesen Gottes als Teil herausgenommen und im Fleisch erschienen sei. Um also die Geburt des eingeborenen Sohnes und die Bezeichnung der Einwesentlichkeit aufzuheben, benutzt man die Lehre von dem einen Wesen bei der Geburt des Sohnes als Vorwand. Denn weil in unheiliger Weise eine solche Geburt gelehrt wird, von der man behauptet, sie sei ein Teil des einen Wesens, so soll zunächst einmal die Geburt selbst nicht wahr sein dürfen, die bei Manichäus auf Grund der Auffassung als Teilung verworfen werde; sodann soll die Bezeichnung und der Glaube nur eines Wesens beseitigt werden, da nach der Meinung der Irrlehrer (das Dasein des Sohnes) nur aus einem Teil heraus möglich und deswegen auch nicht Gott aus Gott sei, weil in ihm nicht die Eigentümlichkeit des göttlichen Wesens vorhanden sei.2

Was täuscht der ungläubige Wahn unter dem verborgenen Schein von Rechtgläubigkeit übertrieben-ängstliche Bemühungen vor? Der rechte Glaube der Kirche verurteilt den Manichäus, so wie wahnwitzige Irrlehrer ihn verkünden. Er weiß nichts davon, daß im Sohn (nur) ein Teil (des göttlichen Wesens) sei; er weiß (vielmehr), daß der ganze Gott aus dem ganzen Gott sein Dasein habe; er weiß, daß der eine aus dem einen entstamme, aber nicht durch Abtrennung, sondern durch Geburt; er weiß, daß die Geburt Gottes weder eine Minderung dessen bedeutet, der zeugt, noch eine Schwachheit dessen, der geboren wird. Wenn er es von sich aus weiß, so erhebe nur den Vorwurf eines überheblich angemaßten Wissens; wenn er es aber von seinem Herrn [S. 274] erfahren hat, dann laß dem, der geboren wird, auch das Wissen um seine Geburt.

Denn das ist ihm vom eingeborenen Gott untrüglich kundgemacht worden, daß der Vater und der Sohn eins sind;3 daß die Fülle der Gottheit4 im Sohn ist. Mit aller Entschiedenheit verwirft er deswegen die Lehre, als sei ein Teil des einen göttlichen Wesens an den Sohn übergeben worden, und durch die (Lehre von der) Tatsächlichkeit der Geburt bekennt er ehrfürchtig die Eigentümlichkeit wahrer Gottheit im Sohn.

Doch eine vollständigere Erledigung der einzelnen Antworten wollen wir (noch) zurückstellen und das übrige rasch überprüfen.

1: Vgl. Augustinus (354—430): „Gebete senden sie tagsüber zur Sonne (als dem ‚guten Feuer’) empor, wo immer sie ihren Kreislauf vollzieht” (De haeres. ad Quodvultdeum, n. 46).
2: Weil nicht nur ein Teil, sondern das ganze göttliche Wesen zur Göttlichkeit des Sohnes erfordert wird, auch nach der Meinung der Irrlehrer.
3: Joh. 10, 30.
4: Kol. 2, 9.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger