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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

38. Die Meinung der Irrlehrer ist dem Petrus fremd. Nur des Petrus Glaube soll gelten.

Oder glaubst du etwa, du unseliger Irrlehrer, wer immer du heutzutage sein magst, Petrus sei fürderhin glückseliger gewesen, wenn er gesagt hätte: Du bist Christus, Gottes vollkommenes Geschöpf; sein Gebilde, ragend über alle erschaffenen Dinge; der du vom Nichts her dein Dasein begonnen hast; der du durch Gottes Gutheit, der allein gut ist, durch Kindschafts-annahme den Namen des Sohnes verdient hast; der du nicht aus Gott geboren bist? Ich frage dich, was derjenige wohl auf diese Worte hin gehört haben würde, der auf die Verkündigung des Leidens hin erwiderte: „Laß sein, Herr, das soll nicht sein”,1 der hören mußte: „Weg von mir, du Satan, ein Ärgernis bist du mir!”2

Aber dem Petrus wurde das Nichtwissen als Mensch nicht zur schuldbaren Verfehlung; denn der Vater hatte ihm noch nicht das ganze Leidensgeheimnis geoffenbart, sondern nur seinem Kleinglauben widerfuhr der Verdammungsspruch.

Warum also hat der Vater dem Petrus nicht dieses Glaubensbekenntnis geoffenbart, die Geschöpflichkeit nämlich und die Kindschaftsannahme? Gott, glaube ich, gönnte es dem Petrus nicht, so daß er es späteren [S. 313] Zeiten vorbehielt und es euch, den neuen Lehrern, aufsparte. Es mag allerdings der Glaube anders sein, wenn die Schlüssel des Himmelreiches anders sind.3 Es mag allerdings der Glaube anders sein, wenn es eine andere Kirche geben wird, gegen welche die Tore der Unterwelt nicht obsiegen werden.4 Es mag allerdings der Glaube anders sein, wenn es ein anderes Apostelamt geben wird, das, was es auf Erden bindet und löst, zugleich auch im Himmel bindet und löst. Es mag allerdings der Glaube anders sein, wenn Christus als ein anderer Sohn Gottes gelehrt werden wird, als er es in Wirklichkeit ist.

Wenn dagegen nur dieser Glaube, der Christus als den Sohn Gottes bekannte, dem Petrus den Ruhm aller seiner höheren Vorzüge verdiente, dann kann das notwendig nicht die (wahre) Kirche sein und auch nicht zu Christus gehören, die lehrt, er sei eher ein Geschöpf aus dem Nichts heraus; sie hat die Schlüssel des Himmelreiches nicht übernommen, sie hat sich außerhalb des Glaubens und der Kraft der Apostel gestellt.

1: Matth. 16, 22.
2: Matth. 16, 23.
3: Vgl. Matth. 16, 19.
4: Vgl. Matth. 16, 18.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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