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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

36. Petrus hat den wahren Gottessohn bekannt und an ihn geglaubt.

Es ist nicht der Glaube der Evangelien und der Apostel, an den Sohn Gottes mehr dem Namen, statt dem Wesen nach geglaubt zu haben. Denn wenn diese Bezeichnung nur für eine Kindschafts-annahme gilt, und wenn er nicht deswegen Sohn ist, weil er von Gott ausgegangen ist, so frage ich, woraufhin denn eigentlich der selige Simon Bar-Jona sein Bekenntnis abgelegt hat: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen [S. 309] Gottes.”1 Etwa deswegen, weil allen die Möglichkeit offensteht, durch das Sakrament der Wiedergeburt als Gottes Sohn geboren zu werden? Wenn Christus in diesem Sinne Sohn Gottes ist, so frage ich nach dem Sinn dessen, daß nicht Fleisch und Blut es dem Petrus geoffenbart hat, sondern der Vater, der im Himmel ist.2 Was an Verdienst hat ein allgemein gehaltenes Bekenntnis?3 Oder was an Ruhm gebührt der Offenbarung, um die jedermann weiß? Wenn er Sohn ist nur aus Kindschafts-annahme, mit welchem Recht ist denn dem Petrus dieses glückselige Bekenntnis (zuteil geworden), der dem Sohn doch nur zuspricht, was gemeinsamer Vorzug der Heiligen ist? Aber über menschliche Erkenntniskraft hinaus erstreckte sich der Glaube des Apostels.

Gewiß oft hatte er doch gehört: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt denjenigen auf, der mich gesandt hat.”4 Daß (Christus) gesandt war, das war (dem Petrus) nicht mehr unbekannt; um dessen Sendung er sehr wohl wußte, den hatte er lehren hören: „Alles ist mir vom Vater übergeben, und niemand kennt den Sohn, es sei denn der Vater; und den Vater kennt niemand, es sei denn der Sohn.”5 Was also offenbart der Vater jetzt dem Petrus, daß es ihm den Ruhm eines glückbringenden Bekenntnisses gibt? Kannte er etwa nicht den Namen Vater und Sohn? Aber gewiß, er hatte ihn doch oft gehört. Aber er sagt, was noch nie eine menschliche Stimme ausgesprochen hatte: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.” Denn wenn er (Christus) trotz seines noch fortdauernden Mensch-seins als Sohn Gottes sich bekannt hatte, so hatte doch der Glaube des Apostels jetzt zum erstenmal in ihm das Wesen seiner Göttlichkeit erkannt. Dem Petrus ist auch nicht [S. 310] nur wegen der Anerkennung des Ehrenvorzuges (Christi) das Lob zuteil geworden, sondern wegen der Erkenntnis des Geheimnisses, weil er ihn nicht nur als Christus, sondern den Christus als Sohn Gottes bekannt hat. Denn zur Anerkennung des Ehrenvorzuges wäre es gewiß ausreichend gewesen zu sagen: „Du bist Christus.” Aber unfruchtbar wäre es gewesen, wäre er (Jesus) von ihm nur als der Christus bekannt worden, wenn er nicht auch als Sohn Gottes bekannt wurde. Denn damit, daß er sagt: „Du bist”, hat er die Kraft und Eigentümlichkeit der wesensmäßigen Wahrheit auseinandergelegt. Und indem der Vater sagte: „Das ist mein Sohn”,6 hat er dem Petrus das Wort geoffenbart: „Du bist der Sohn Gottes”; denn indem gesagt wird „dieser ist”, zeigt sich derjenige an, der offenbart; daß aber geantwortet wird „du bist”, läßt denjenigen erkennen, der bekennt.

Also auf diesem Felsen-bekenntnis7 steht der Bau der Kirche. Aber die Erfahrungsweite von Fleisch und Blut offenbart nicht die Einsicht in dieses Bekenntnis. Es ist das ein Geheimnis göttlicher Offenbarung, Christus nicht nur den Sohn Gottes zu nennen, sondern ihn glaubensmäßig zu bekennen. Oder es ist doch nicht etwa dem Petrus mehr der Name als das Wesen geoffenbart worden? Wenn (es nur) der Name (war), so hatte er den schon oft vom Herrn gehört, jedesmal, wenn er sich als Sohn Gottes bekannte. Worauf also beruht der Ruhm der Offenbarung? (Auf dem Bekenntnis) des Wesens, und nicht nur des Namens; denn sonst wäre es nur die Wiederholung eines schon oft gegebenen Bekenntnisses gewesen.

1: Matth. 16, 16.
2: Matth. 16, 17.
3: zu einer Sohnschaft im weiteren Sinn.
4: Matth. 10, 40.
5: Matth. 11, 27.
6: Matth. 17, 5.
7: Vgl. Buch 2, 23.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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