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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

33. Die Bedeutung ihres Glaubens, daß er als erster von Gott ausgegangen sei.

Denn nach vielen Dunkelheiten seiner Aussprüche, mit denen er in Gleichnissen gesprochen hatte; nachdem (die Juden) wußten, daß Christus schon vorher [S. 305] von Moses und den Propheten verkündet worden war;1 nachdem er auch von Nathanael als Sohn Gottes und König von Israel bekannt worden war;2 nachdem er den Philippus gescholten hatte, warum er nach dem Vater frage, da er auch trotz der Wundermacht nicht wisse, daß der Vater in ihm und er im Vater sei; nachdem er seine Sendung vom Vater schon mit häufigen Aussprüchen gelehrt hatte:3 als sie nun hörten, daß er vom Vater ausgegangen zu sein verkündete, da war dennoch dies ihre Antwort [denn es folgt jetzt dieses Wort]: „Seine Jünger sagen zu ihm: jetzt sprichst du offen und sagst kein Gleichnis. Jetzt also wissen wir, daß du alles erkennst und daß du dessen nicht bedarfst, daß jemand dich frage; darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist.”4

Worin, frage ich, besteht die Verwunderung über dieses Wort, daß er seinen Ausgang vom Vater verkündet? Ihr heiligen und seligen Männer, wegen des Verdienstes eures Glaubens mit den Schlüsseln des Himmelreiches begabt und mit dem Löse- und Binderecht für Himmel und Erde beschenkt,5 ihr hattet durch unseren Herrn Jesus Christus, Gottes Sohn, Taten vollzogen werden sehen, die so groß und so sehr Gott eigentümlich sind: und jetzt, da er von seinem Ausgang aus Gott spricht, beteuert ihr, zum erstenmal die Erkenntnis der Wahrheit erlangt zu haben? Ihr hattet doch die Wassermengen des Hochzeitsfestes gesehen und die gleichen als hochzeitlichen Wein, und die Umwandlung oder Fortbildung oder Umschaffung des einen Wesens in das andere.6 Ihr hattet auch die fünf Brote zur Speisung einer so großen Volksmenge gebrochen, und nach der Sättigung aller (Hungrigen) waren die Brocken der Brote zur Fülle von zwölf Körben angewachsen, und das Wenige des Vorhandenen hatte den Hunger vertrieben, war zu einer Menge gleichwertigen Vorrates geworden.7 Ihr hattet es erblickt, [S. 306] wie die vertrocknete Hand wieder Leben gewann, wie die Zungen der Stummen zum Sprechen gelöst wurden, wie die Füße der Lahmen flink wurden zum Lauf, wie die Augen der Blinden wieder sahen, wie den Toten das Leben zurückkehrte.8 Lazarus, schon in Verwesung, war auf den Ruf hin wieder aufgestanden; und aus dem Grabe gerufen, war er schnell herausgekommen, ohne eine zeitliche Lücke zwischen dem Wort (Jesu) und dem (erweckten) Leben (des Lazarus); und während der Sinn noch unter dem Lufthauch den Geruch des Todes wahrnahm, stand er schon lebendig da.9 Ich spreche nicht von den übrigen Betätigungen der großen und göttlichen Werke. Jetzt also zum erstenmal seht ihr es ein, wer dieser Himmelsgesandter ist, nachdem ihr es gehört habt: „Vom Vater bin ich ausgegangen”? Und ist auch das zum erstenmal ohne Rätsel gesagt, und durch die Wunderkraft seines Wesens sehet ihr es, daß sein Ausgang von Gott wirklich Wahrheit sei, da er doch die Regungen eures Wollens kennt, ohne davon zu sprechen, da er über gar nichts wie in Unkenntnis Fragen zu stellen braucht, da er doch alles erkennt?

Denn durch alles dieses, was er in der Kraft und in dem Wesen Gottes tut, bewährt er die Forderung, an seinen Ausgang aus Gott zu glauben.

1: Vgl. Luk. 24, 27.
2: Joh. 1, 49.
3: Joh. 14, 9―12.
4: Joh. 16, 29 f.
5: Matth. 16, 19.
6: Joh. 2.
7: Matth. 14.
8: Vgl. Matth. 11, 4―6.
9: Joh. 11, 44.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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