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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

30. Gott ist nur denen zugleich auch Vater, die den Sohn verehren, und zwar nicht auf Grund einer Kindschaftsannahme. Bedeutung des Ursprungs aus Gott.

Völlig ohne Wissen sind sie, ohne Wissen, die da dem Namen seinen Sinn nehmen, die in ihrer Unkenntnis es auch nicht lieben, Wissen (von anderen) zu gewinnen. Hören sollen sie den Vorwurf, den der Herr den Ungläubigen entgegenhielt, weil sie dieses Wissen nicht haben, damals, als die Juden behaupteten, Gott sei ihr Vater; denn er sagt: „Wenn Gott euer Vater wäre, wahrhaftig, ihr würdet mich lieben; denn von [S. 301] Gott her bin ich ausgegangen und gekommen; und nicht von mir aus bin ich gekommen, sondern jener hat mich gesandt.”1

Damit hat der Gottessohn denen aus der Annahme eines glaubensinnigen Namens keinen Vorwurf gemacht, die sich als Söhne Gottes bekennten und dadurch Gott ihren Vater nennten. Er verwirft vielmehr die überhebliche Anmaßung der Juden, die Gott als Vater für sich in Anspruch nahmen und deswegen ihm keine Liebe schenkten: „Wenn Gott euer Vater wäre, wahrhaftig, ihr würdet mich lieben; denn von Gott bin ich ausgegangen.” Allen, denen Gott kraft des Glaubens Vater ist, ist er nur durch denjenigen Glauben Vater, durch den wir Jesus Christus als Sohn Gottes bekennen. Was an Glauben schließt das aber ein, ihn einen aus seinen Söhnen zu nennen, wenn man ihn nach dem allgemeinen Namen der Heiligen einen Sohn nennt? Aber sind denn die anderen in dieser Schwachheit ihrer Geschöpflichkeit nicht zugleich auch Söhne? Worin denn hat der Glaube einen Vorzug, der Jesus Christus als Gottessohn bekennt, da ihm, wie den (menschlichen) Söhnen, nur der Name, nicht aber das Wesen des Sohnes eignet?

Eine solche Glaubenslosigkeit liebt den Sohn nicht, und ein solch ungläubiges Bekenntnis nimmt nicht in ehrfürchtiger Weise Gott als Vater für sich in Anspruch: denn wenn Gott ihnen wirklich Vater wäre, würden sie deswegen auch Christus lieben, da er doch von Gott seinen Ausgang genommen hat.

(Weiterhin) frage ich, was für eine Bedeutung der Ausgang von Gott habe. Man kann wirklich nicht behaupten, es sei dasselbe, von Gott ausgegangen und von Gott gekommen zu sein; denn dieses beides bezeichnet (Jesu Wort): „Vom Vater bin ich nämlich ausgegangen und gekommen.” Um die Bedeutung dessen aufzuweisen, „Von Gott bin ich ausgegangen” und: „bin ich gekommen”, fügt er sofort hinzu: „Ich bin nämlich nicht [S. 302] von mir aus gekommen, sondern jener hat mich gesandt.” Er hat es gelehrt, daß er sich nicht selbst Ursprung sei, wenn er sagt: „Ich bin nämlich nicht von mir ausgegangen”, und wenn er anderseits ausdrücklich behauptet, er sei von Gott ausgegangen und von ihm gesandt worden.

Wenn er ferner von denen, die Gott ihren Vater nannten, auch Liebe zu ihm selbst (dem Sohn) fordert, weil er von Gott ausgegangen sei, so leitet er damit den Grund für die Liebe zu ihm (dem Sohn) aus der Tatsache seiner Geburt her. „Ausgegangen sein” bezog er nämlich auf das Wort „unkörperliche Geburt”; denn das Verdienst zu dem Glauben, Gott als Vater zu bekennen, müsse man aus der Liebe zu Christus erwerben, der aus ihm gezeugt sei. Denn wenn er sagt: „Wer mich haßt, der haßt auch meinen Vater”,2 so hat er mit dem Ausdruck „mein” die Gemeinsamkeit des Namens (Vater mit anderen) durch die Bezeichnung der Einzigartigkeit ausgeschlossen. Weiterhin verwirft er denjenigen als der Anmaßung des väterlichen Namens schuldig, der Gott seinen Vater nennt und ihn (Jesus) nicht liebt; denn wer ihn haßt, der haßt auch den Vater; noch auch sei gläubig gegen Gott-Vater gesinnt, wer den Sohn nicht liebe; da es ja keinen anderen Grund für die Liebe zum Sohne gebe als seinen Ursprung aus Gott.

Von Gott her hat also der Sohn sein Dasein, nicht durch das Kommen (in der Menschwerdung), sondern durch das Geboren-werden (in der Ewigkeit); und Liebe zum Vater wird nur da ungeschmälert sein, wo man an den Ursprung des Sohnes aus ihm glaubt.

1: Joh. 8, 42.
2: Joh. 15, 23.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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