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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

29. Der Ausdruck „Von ihm her habe ich mein Sein” kann nicht auf seine Menschlichkeit bezogen werden. Von dem man nicht weiß, woher er sei, der ist auch nicht erschaffen.

Doch damit nicht etwa die Irrlehre seinen Ursprung aus Gott auf seine in der Zeit vollzogene Ankunft kampfeswütig beziehe, deswegen fügte er gleich hinzu: „Denn von ihm her habe ich mein Dasein, und er hat mich gesandt.” Die Reihenfolge des Geheimnisses der Evangelien hat er beibehalten, indem er seine Geburt und Sendung lehrte: damit (man erkenne, daß) seine Geburt nach dem eben angeführten Wort sich vollziehe, und (zwar) dies: wer er ist, und dies: woher er ist. Denn es ist nicht das gleiche: „Von ihm habe ich mein Dasein” und „Er hat mich gesandt”, wie es auch nicht dasselbe ist: „Weder kennt ihr mich”, „noch wißt ihr, woher ich bin”.

Stammt denn nicht etwa jeder Mensch, der im Fleisch geboren wird, nach gewöhnlicher Auffassungsweise von Gott? Und in welchem Sinn streitet er es ab, daß sie weder ihn noch seinen Ursprung kennen, wenn nicht in dem, daß er seinen Ursprung auf den Urheber seines (göttlichen) Wesens bezöge? Daß er also deswegen unerkennbar sei, weil er nicht als Sohn Gottes gewußt werde? Sag es doch, unselige Torheit, was das bedeuten mag: „Weder kennt ihr mich, noch auch wißt ihr meinen Ursprung!” Wahrhaft alles soll aus dem Nichts stammen; und so sehr aus dem Nichts, daß du lügnerisch zu behaupten gewagt hast, sogar der eingeborene Gott habe aus dem Nichts her sein Dasein gewonnen.

Was also will es heißen, daß die Ungläubigen weder Christus noch seinen Ursprung kennen? Denn damit, [S. 300] daß man um seinen Ursprung nicht weiß, weist er auf das Wesen hin, aus dem her er sein Dasein hat, indem man also über seinen Ursprung in Unkenntnis ist. Denn bei allem, was aus dem Nichts herstammt, kann man gar nicht in Unwissenheit über seinen Ursprung sein: denn über eben das kann man keine Unwissenheit an den Tag legen, von dem man genau weiß, daß es dem Nichts entstammt.

Es hat aber derjenige gar nicht von sich her sein Dasein, der gekommen ist (Christus); sondern wer ihn sandte, der ist wahrhaftig, den kennen die Ungläubigen nicht. Der vollends gerade, der gesandt hat, ist es auch, dessen Gesandt-haben man nicht kennt. Von dem also, der gesandt hat, stammt her, wer gesandt wurde; und der Ursprung von ihm her ist es, den man nicht kennt: deswegen auch weiß man nicht das Wesen dessen, von dem man den Ursprung nicht kennt. Derjenige kennt Christus nicht, der den Ursprung Christi nicht kennt; derjenige vermag auch nicht den Sohn zu bekennen, der seine Geburt leugnet; derjenige anerkennt seine Geburt nicht, der sich die Meinung gebildet hat, er sei aus dem Nichts heraus erschaffen. So sehr sogar stammt er aber nicht aus dem Nichts, daß die Ungläubigen seinen Ursprung nicht kennen.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger